Die Pyramiden von Gizeh sind Spuren aus Stein

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Lilith - Baum des Lebens
Leseprobe Teil 1
© Sven Schmidt, alle Rechte vorbehalten

Gorande spürte einen stechenden Schmerz in seiner Schulter. Der unbarmherzige Griff war hart und gnadenlos. Gorande schrie laut auf und erwachte. Eine unmenschliche, grüngeschuppte Kralle bohrte sich in seinen Arm und ein wunderschöner Traum war jäh zu Ende. Er kreischte wütend, als er grob aus seiner Schlafstätte gezerrt wurde. Jemand schien ihm mit aller Kraft den Arm ausreißen zu wollen. Bevor er richtig wach war, lag er schon auf dem nackten Fußboden. Ein kräftiger Tritt in den Magen weckte ihn endgültig. „AUF!“ wurde er von oben herab angeherrscht. Eine unmenschliche Klauenhand griff aus dem Dunkel nach ihm und stellte ihn wieder auf die Beine. Bevor er wusste, wie ihm geschah, bekam er einen kräftigen Stoß in die Rippen und er flog in Richtung des Ausgangs seiner Rundhütte. Er schrie überrascht auf und wäre durch die Wucht fast wieder gestürzt. Er stolperte und prallte gegen seine jüngere Schwester Dia, die, vom Schlaf noch halb benommen, ebenfalls zum Ausgang getrieben wurde. Nacheinander kletterten sie durch das mannbreite Loch in der Wand. Ihre nackten, gedrungenen, schwarzen Körper waren in der stockfinsteren Nacht kaum zu erkennen. Gorande blickte sich um. Durch den Ausgang der Wohngruppe, in der seine Familie lebte und die aus sechs kleinen und durch Mauern verbundenen Rundhäusern bestand, sah Gorande huschende Lichter. Er stöhnte und massierte seine pochende Schulter.

„Was …?“, fragte er sich. Der Schlaf verschwand endgültig und seine Sinne klärten sich. Er hörte laute, verzweifelte Schreie. Sie kamen von überall her. Er wusste nicht, was sie bedeuteten.

Die Nacht war schon weit vorangeschritten. Die frühen Ankündigungen des Morgens waren noch nicht zu sehen. Gorande spürte die ausgekühlte Luft auf seiner Haut.

Dia neben ihm wimmerte ängstlich. Gorande spürte, wie sie zitterte. Aus dem Rundhaus seiner Vor-Älteren hörte er die klagenden Laute seiner Omamu. Er sah, wie zuerst sie und dann sein Opapu brutal von zwei Cherubim aus ihrer Hütte gezerrt und dann weiter Richtung Ausgang der Häusergruppe getrieben wurden. Gorande war von dem rücksichtslosen Verhalten der Cherubim geschockt. Warum?, schoss es ihm durch den Kopf. In diesem Moment kletterten seine Eltern aus der gemeinsamen Schlafhütte und fielen zu Boden. Dicht dahinter kam der Cherub heraus, der sie so unsanft geweckt hatte. In der linken Klauenhand hielt er ein kaltes Feuer, das sein fast menschlich wirkendes, schmales Gesicht nur unzureichend ausleuchtete. Seine dunklen Augen waren wie schwarze Löcher in seinem Kopf. Markant waren seine ebenmäßige, dünne Nase und seine vollen Lippen. Sein Torso war hart und starr: wie der Panzer einer Schildkröte. Er trug keinerlei Bekleidung. Seine muskulösen Arme und Beine waren die von Echsen. Über und über mit fingergroßen Schuppen bedeckt; dunkelgrün und dunkelbraun gefleckt.

Gorande kannte ihn. Er hatte schon oft mit ihm zu tun gehabt. Vor zwei Tagen erst hatte der Cherub seine Omamu von einem Leiden geheilt. Gorande war irritiert. Er konnte sich dieses rabiate Verhalten nicht erklären. Angst schlich sich in seine Gedanken. Was geschah hier?

„AUF! LAUFEN!“ bellte der Cherub und zerrte seine Mutter hoch, die vor Schmerzen laut aufschrie. Dann hob er auch seinen Vater hoch und stieß sie alle zum Ausgang.

Als Gorande aus der Hüttengruppe hinaus trat, bot sich ihm ein entsetzliches Bild. Die Cherubim trieben alle Menschen seines Dorfes aus ihren Hütten hinaus. Die kalten Flammen, die sie trugen, huschten hierhin und dorthin. Ihre winzigen Lichter flackerten über die schwarzen Leiber der Menschen, die geduckt und eingeschüchtert zur Dorfmitte liefen. Sie wurden von den Befehlen der Cherubim getrieben.

In der Mitte des kleinen, überschaubaren Dorfes sah Gorande drei gefestigte Kutschen, wie sie hintereinander in einer Reihe standen. Sie waren etwa viermal größer als ein Mensch oder ein Cherub. Ihre kalten Feuer strahlten nach vorne und waren noch viel heller als die der Cherubim. Dieses bedrohlich-kalte Licht warf scharfkantige Schatten. Auf den Dächern der Kutschen drehten sich orangefarbene Lichter schnell in alle Richtungen. Wo sie auftrafen, blitzte es kurz gespenstisch auf. Immer und immer wieder.

Gorande wurde von dem Cherub hinter ihm heftig gestoßen und er stolperte vorwärts. Er folgte seiner Familie zu den Kutschen. Sie liefen an Cherubim vorbei, die sie argwöhnisch beobachteten. Gorande blickte nach vorne und sah nun auch die großen Seraphim bei den Kutschen stehen. Diese Wesen waren die Wächter des Gartens. Sie waren im Aussehen den Menschen ähnlicher als die Cherubim. Sie waren etwa zwei bis drei Köpfe größer als Gorande und sie besaßen eine helle Haut, die sie unter grün-gefleckten Stoffen verbargen. Gorande erkannte im fahlen und flackernden Licht ihre angespannten Gesichter. Sie waren genauso schmal und lang wie die der Cherubim, und nicht wie die eher rundlichen Gesichter der Menschen mit ihren flachen Nasen. Auffallend war der langgezogene Hinterkopf, der konisch aufwärts nach hinten ragte. Gorande erkannte, dass sie harte, dunkelgrüne Hüte trugen. Das war ungewöhnlich. Normalerweise trugen sie dunkelrote Stoffhüte, die eng auf ihren Köpfen anlagen und die sie auf einer Seite über ihre Ohren gezogen haben. Die Seraphim waren wie die großen Herrscher. Nur, dass sie keine Herrscher waren.

Gorande sah, wie die Seraphim lange Stangen in den Händen hielten. Er hörte ihre lauten Befehle. Ihre tiefen Stimmen übertönten die ängstlichen Schreie der Menschen. Gorande erkannte in der Menge vor den Kutschen Nupi, der in der Hüttengruppe neben ihm wohnte. Gorande sah, wie Nupi stehen blieb und seine Arme flehend zu einem Seraph erhob. Gorande konnte nicht verstehen, was er sagte. Der Seraph hielt seinen Stock nach vorne. Gorande erkannte, dass der Stab vorne in zwei kleinen Fingern endete, zwischen denen ein zuckendes Licht tanzte. Der Seraph berührte Nupi mit dem Stab und Nupi sprang schreiend davor zurück. Sofort wurde er von einem Cherub festgehalten, der ihn in eine Kutsche zerrte.

Gorande war entsetzt. Zu seiner Angst kam nun Panik hinzu. Warum quälten die Seraphim und Cherubim die Menschen so? Was hatten sie getan? Gorande konnte sich nicht erinnern, jemals Streit oder Ärger mit ihnen gehabt zu haben. Immer wenn er ihnen begegnet war, waren die Cherubim freundlich und hilfsbereit gewesen. Und mit den Seraphim hatte Gorande bislang noch nie etwas zu tun gehabt, obwohl er sie doch jeden Tag sah. Warum waren sie jetzt so feindselig? Wenn sie wollten, dass die Menschen in die Kutschen steigen sollten, brauchten sie doch nur zu fragen. Niemand würde sich weigern. Die Menschen vertrauten ihnen. Was hatte sich plötzlich geändert?

Gorande hörte vor sich seine Schwester weinen. Seine Mutter legte tröstend einen Arm um sie. Gorande schloss auf, weil er wieder von dem Cherub hinter ihm gestoßen wurde. Sie wurden zur mittleren Kutsche gebracht. Sie liefen an ihr vorbei ans hintere Ende. Gorande fühlte sich von der schieren Größe regelrecht erschlagen. Diese Kutsche hatte an den Seiten weder Türen noch Fenster. Die Wand, die neben ihm aufragte, war glatt, dunkelblau und mit Formen und Mustern verziert, die Gorande nicht verstand.

Seine Familie stieg die hintere Rampe hinauf. In diesem Moment wurde Gorande von den hellen Flammen der dritten Kutsche schmerzhaft geblendet. Er blieb stehen und hielt eine Hand schützend vor die Augen. Gorande merkte nicht, wie ein Seraph an ihn herantrat. Er hörte nur ein kurzes Zischen, bevor ein heller Schmerz durch seinen Oberarm fuhr. Er sprang schreiend zurück und prallte gegen das hintere Rad, das fast so groß war wie er selbst. Der Aufprall war heftig. Sein Rücken schmerzte und sein Arm war wie betäubt. Trotzdem schaffte er es, auf den Beinen zu bleiben. Er torkelte die Rampe hinauf, seiner Familie hinterher.

Im Inneren der Kutsche waren keine kalten Feuer. Der Raum, in den er hineinstolperte, wurde nur von den Feuern der hinteren Kutsche erhellt. Gorande erkannte an den dunklen Schatten vor ihm, dass er schon zur Hälfte gefüllt war. Er ging in die Mitte zu seiner Familie. Seine Mutter umarmte ihn schluchzend und er spürte, wie sie zitterte. Keiner sprach ein Wort. Über die Schulter seiner Mutter sah er sich um. Er erkannte seine Nachbarn und seine Freunde. Jeden kannte er mit Namen. Viele von ihnen blickten ihn verängstigt an. Doch schienen sie einigermaßen gefasst zu sein. Jetzt, da sie nicht mehr angetrieben wurden, hatten sie die Zeit, um sich Gedanken zu machen. Auch seine Schwester Dia hatte sich beruhigt. Sie weinte nicht mehr. Gorande wandte sich dem Ausgang zu und sah, wie immer mehr Freunde und Bekannte in die Kutsche getrieben wurden.

Auch wenn er sich immer noch nicht erklären konnte, was hier gerade vor sich ging, ließ seine Angst nach und er beruhigte sich ebenfalls. In dieser Kutsche war er sicher. Die Cherubim halfen den Menschen und die Seraphim sorgten für Sicherheit. So war es schon immer gewesen. Warum sie jetzt so rabiat vorgingen, ließ sich bestimmt irgendwie erklären. Gorande beschloss, sich zu gedulden und ihnen zu vertrauen.

„Nyaro!“, entfuhr es ihm.

Er rief ihren Namen voller Scham, weil er erst jetzt an sie dachte. So turbulent war es ihm seit seines Erwachens ergangen. Sie waren einander versprochen und sollten beim Frühjahrsfest in ein paar Tagen zusammengeführt werden.

„Sie erste Kutsche bringen.“

Gorande hatte den Sprecher nicht erkannt. Aber er war erleichtert. Die Cherubim haben also auch für die Familie seiner Versprochenen gesorgt. Niemand wurde vergessen. So langsam glaubte Gorande wirklich, dass sie vor einer Gefahr in Sicherheit gebracht werden sollten. Das beruhigte ihn noch mehr.

Immer mehr Menschen wurden in die Transportkutsche gezwängt. Gorande stand in der Mitte dieses Raumes eng bei seiner Familie. Er fühlte, dass jeder von ihnen trotzdem noch große Angst hatte.

„Alles gut gehen“, versuchte er sie zu beruhigen, „Cherubim uns Sicherheit bringen.“ Im fahlen Lichtschein sah er ihre verängstigten Gesichter.

„Woher wissen?“, fragte ihn seine Mutter.

Doch bevor Gorande antworten konnte, wurden sie weiter in die Kutsche hineingezwängt. Die Menschen schrien auf vor Schreck. Gorande wurde immer weiter nach hinten gedrängt. Es wurde immer enger um ihn herum. Gorande spürte, wie sich die nackten Leiber seiner Nachbarn an seinen drückten. Er spürte ihre Wärme. Jede Bewegung. Er kannte zwar alle hier, aber so körperlich nah war er ihnen noch nie gekommen. Er fühlte plötzlich eine innere Abscheu. Es war ihm unangenehm, wie sich die anderen Körper an ihm rieben.

Dann endlich kehrte Ruhe in die Masse ein. Die letzten Menschen waren aufgestiegen. Die Schreie ließen nach. Übrig blieb das ängstliche Wimmern einiger Frauen und Mädchen. Gorande roch die Hitze der Angst, die diese Menschen verströmten. Es roch auch nach Urin. Gorande sah von seiner Familie keinen mehr. Sie waren auseinandergetrieben worden. Er musste wieder an Nyaro denken. Stand sie nun auch so eng mit anderen zusammen? Haut an Haut mit anderen Männern? In Gorandes Kopf entstanden Bilder, die ihn wütend machten. Jemand neben ihm versuchte sich zu drehen und sein Körper rieb unangenehm auf Gorandes Haut. Gorande drückte ihn mit seinem Ellenbogen weg. Er hörte ein schmerzliches Stöhnen aus der Richtung und fühlte sich etwas befreiter.

Plötzlich klopfte es gegen die Kutschenwand. Es gab ein schabendes Schleifen und Gorande wurde von einer schwarzen Dunkelheit eingehüllt. Wieder erklangen ängstliche Schreie. Gorande hörte, wie die Cherubim die Kutschentüren verschlossen. Es wurde wieder unruhig und wieder drückten sich Leiber gegen ihn. Aber die Menschen beruhigten sich schnell wieder. Es wurde ganz still. Gorande versuchte, in dieser absoluten Schwärze etwas zu sehen. Aber das war unmöglich. Nirgendwo gab es ein Fenster oder eine andere Öffnung. Nun, da er nichts mehr sah, nahm er verstärkt den unangenehmen Geruch wahr. Der saure Uringeruch biss förmlich in seine Nasenwände. Gorande war angewidert von dem ätzenden Gestank und von den Leibern um ihn herum.

Er hörte geflüsterte Fragen. Mütter versuchten, ihre Kinder zu trösten. Männer unterhielten sich leise.

Dann ertönte ein tiefes und lautes Brummen. Die Gespräche verstummten. Es heulte ein paar Mal auf und Gorande spürte, wie dabei der Boden unter ihm vibrierte. Dann fuhr die Kutsche an, und die Menschen wurden nach hinten gedrückt. Wieder Schreie. Gorande wäre gestürzt, wenn sie nicht so eng zusammengestanden hätten. Nackte Leiber drückten gegen nackte Leiber. Die Menge war in wallender Bewegung. Gorande spürte jede kleinste Bewegung, die die Kutsche machte. In der nachtschwarzen Dunkelheit wogen die Menschen nach links und nach rechts. Gorande versuchte verzweifelt, sich an seinen Nachbarn festzuhalten.

Nach einer kurzen Zeit wurde die Kutsche wieder langsamer. Gorande dachte schon, sie würde anhalten. Doch dann wurden alle unsanft nach links gedrückt. Gorande schrie schmerzhaft auf, als er ein spitzes Knie in seinem Oberschenkel spürte. Er hatte plötzlich eine fremde Hand in seinem Gesicht und den Daumen in seinem Mund. Er konnte nicht mehr atmen. Vom salzigen Geschmack angewidert warf Gorande seinen Kopf zur Seite, um sich von dem Griff zu befreien. Es half. Er bekam wieder Luft.

Die Menschen rappelten sich langsam auf. Gorande stand wieder und wogte mit den anderen in der blind machenden Schwärze. Der leichte Schmerz in seinem Oberschenkel ließ nach. Aber der salzige Geschmack wollte nicht verschwinden. Er musste wieder an Nyaro denken. Eine Erinnerung kam hoch, in der er sie lächeln sah. Ihm wurde warm ums Herz. Hoffentlich war ihr nichts passiert. Er dachte an das kommende Frühjahrsfest und daran, sie wieder in seinen Armen zu halten. Die Erinnerungen an ihre braunen Augen und an ihre sanfte Stimme vergrößerten seine Sorge um sie.

Er überlegte, warum sie aus ihrem Dorf weggebracht wurden, und kam zu dem Schluss, dass die Cherubim sie vor einer Gefahr beschützen wollten. Gorande beschloss, einfach abzuwarten. Sie würden es schon noch erfahren.


Lilith - Baum des Lebens
Leseprobe Teil 2
© Sven Schmidt, alle Rechte vorbehalten

Eine junge Frau mit einer klaren Stimme sang ein wunderschönes Lied. Die Sonne schien gütig über die kleine Hüttengemeinschaft Tolabe und der warme Frühlingstag neigte sich dem Abend zu. Ein leiser Wind strich durch die Äste der Mopanebäume, die vereinzelt oder in Gruppen um das winzige Dörfchen herumstanden. Ihre graubraunen, mit tiefen Furchen durchsetzten Stämme trugen schmale Baumkronen, die Schatten für Insekten und kleinere Tiere spendeten. Übermannsgroße Kampferbüsche hatten sich den Platz zwischen den Baumgruppen erobert. Ihr immergrünes Laub diente als Nahrung für viele Tiere. Ausgetretene Pfade führten durch Trockengras zu den achtzehn Häusern, die in vier geraden Reihen angeordnet waren. Jedes dieser sogenannten Häuser bestand aus sechs winzigen Rundhütten, die in einem Kreis angeordnet waren. Aus der Mitte der flach geneigten Dächer lugten die dicken Äste heraus, welche die Dachkonstruktion aus kleinen, aber kräftigen Zweigen trugen. Verbunden waren diese Hütten durch kleine, hellbraune Mauern aus Lehm. Jeder Ausgang solch einer Hüttengruppe war zur Dorfmitte hin ausgerichtet.

Zur windabgewandten Seite des Dorfes, nach Osten, standen der Abort sowie die Waschhütte mit ihren Kalebassenduschen und Waschkübeln. Diese Hütte hatte als Einzige kein Spitzdach und war oben offen. Die warme Sonne und der Wind trockneten die Wände und den Boden nach Gebrauch schnell wieder aus.

In der Mitte des Dorfes stand ein einzelner, alter Mopanebaum. Lilith, ein junges und hübsches Mädchen – gerade einmal fünfzehn Jahre alt, saß in seinem Schatten und sang ein liebliches Lied. Sie spielte dabei auf einer Leier eine schöne Melodie. Ein paar Kinder saßen umher und lauschten ihr mit bewunderten Blicken.

Lilith war nicht ganz einen Meter sechzig groß, besaß eine sportliche Figur und ihre Haut war schwarz wie die Nacht. Ihre ebenfalls schwarzen, ansonsten kringelnden Locken, waren zu dünnen Zöpfen geflochten, die in geraden Strähnen nach hinten frisiert waren. Oberhalb der Stirn begann ein roter, etwa vier Finger breiter Streifen, der über ihren Kopf bis in den Nacken reichte. Ihre Kopfhaut und die Haare waren hier knallrot gewachsen. Über ihren Augenbrauen verlief ein leicht gewundener Bogen von kleinen, senkrechten Schmucknarben. Als ihre Mutter sie vor einigen Monaten eingeritzt hatte, hatte sie ein wenig Asche in die Wunden gestreut, damit die Narben nach dem Verheilen gewölbt aus der Haut hervortraten. Liliths dunkelbraune, gewitzte Augen beobachteten aufmerksam die Kinder, wie diese andächtig ihrer zarten und klaren Stimme lauschten. Die kleinen, verspielt geschwungenen Ohrmuscheln des Mädchens waren rundum eingestochen und trugen viele bunte Metallplättchen und hängenden Schmuck. Eine breite, plattgedrückte Nase dominierte das runde, kindliche Gesicht. Der feine, weiße Schmuckknochenring, den sie von ihrem Vater geschenkt bekommen hatte, zierte den rechten Nasenflügel.

Ihre vollen Lippen waren zart und eben. Sonst ebenfalls von tiefschwarzer Farbe hatte Lilith sie heute ockerbraun gefärbt. Wenn Lilith lachte, was sie gerne und oft tat, entblößte sie zwei makellose Zahnreihen, die so weiß und strahlend waren, dass sie jede Art von Dunkelheit vertrieben. Beim Singen bildeten sich niedliche kleine Grübchen auf ihren Wangen, wie sie das auch taten, wenn sie lächelte. Um ihren schmalen Hals trug sie das Lederbändchen, das sie von ihrem Vater geschenkt bekommen hatte, als sie ihren ersten Fisch gefangen hatte. An ihm baumelte ein elfenbeinweißer, flacher Rundstein, der so glatt und glänzend poliert war, dass Lilith sich in ihm spiegeln konnte.

Lilith war nackt, wie alle Menschen hier. Ihre Brüste waren bereits rund, fest und gleichmäßig ausgebildet. Sie war eine junge Frau, die ihre Geschlechtsreife bereits erreicht hatte. Ihr strammer Bauch war flach und ebenso wie ihre Stirn mit schmückenden Narben verziert. Die Taille war schmal und ihre Hüften nicht zu breit. Lilith hatte sehr kräftige Beine, da sie es gewohnt war, weite Strecken zu Fuß zu gehen. Über ihren beiden Knöcheln hatte sie geflochtene Bänder aus weicher Rinde gebunden. Kleine Steinchen, die an ihnen herabbaumelten, klimperten leise, wenn sie lief. Ihre Füße waren schmal und grazil. Liliths Arme hingegen waren muskulös. Denn als Pflegehelferin bei den Haustier-Chimären für die Cherubim musste sie schwere Futtersäcke tragen, die Ställe putzen und die Tiere waschen. Über Liliths Oberarme verliefen Farbbänder, an denen die Hautfarbe ebenfalls wie bei dem Streifen auf ihrem Kopf knallrot war. Unbekannte schwarze, aber gleichmäßige, dicke Linien schmückten diese roten Bänder. Lilith war schon mit diesen Farben geboren worden und alle Menschen, die sie kannte, trugen solche Farben. Allerdings waren sie nicht bei allen gleich. In ihrem Dorf Tolabe trugen sie Grün, in Masakin, wo ihre Freunde Nyaro und Gorande wohnten, Gelb und in Torongo, wo Adamah und Chawah wohnten, Blau. Es gab aber auch Ausnahmen wie sie, die rote Bänder hatten.

Lilith trug über dem linken Band einen kupfernen Armreif mit Antilopenhaaren und kleinen, farbigen Steinchen, die auf einen feinen Draht gereiht waren. Den anderen Arm zierte ein mehrfach gewundener, spiralförmiger Metalldraht mit ausgefransten Lederbändchen. An beiden Handgelenken trug sie bunte Lederbändchen mit aufgereihten braunen, gelben und roten Schotensamen und etlichen schimmernden Metallplättchen, die leise klingelten, wenn sie gegeneinanderstießen.

Lilith sang ein fröhliches und rhythmisches Lied. Es handelte von Vögeln und Fischen und davon, wie sie den warmen Frühling begrüßten. Sie begleitete sich dabei auf einer armgroßen Leier aus stabilen Zweigen, die sie von ihrem Versprochenen Huku bekommen hatte. Der ovale Korpus bestand aus einem wannenförmig ausgehöhlten Stammstück, in die Huku liebevoll kleine Eulen eingeschnitzt hatte. Dünne Jocharme lugten links und rechts aus kleinen Löchern und trugen den Oberbügel, der die sieben Saiten aus gedrehtem Tiersehnen hielt. Dünne Knöchelchen dienten als Stimmstäbe. Lilith hielt die Leier mit beiden Händen schräg vor sich auf dem Schoß und zupfte beidhändig an den straff gespannten Sehnen. Sie entlockte der Leier harmonische, wunderbare Töne, die zart, weich und leise die Aufmerksamkeit der Zuhörer einforderten.

Ein paar der Kinder tanzten. Sie waren ebenso nackt wie Lilith. Sie trugen ebenso wie sie Schmuckstücke. Allerdings besaßen sie noch keine Schmucknarben. Die anderen Kinder lauschten schweigend. Sie schienen sich die Tiere vorzustellen, die Lilith beschrieb. Alle waren sie fasziniert von der Musik und der Melodie.

Als Lilith endete, klatschen die Kinder gegen ihre Brüste.

„Lied schön. Ich kennen nicht“, sagte Kaduma, ein kleiner Junge, der vorne saß.

„Ich machen selber. Morgen heute“, antwortet Lilith.

„Schön. Mir gefallen“, erwiderte der Junge. Andere Kinder stimmten ihm zu.

Lilith blickte kurz zur Sonne, die schon nah über dem Horizont stand. Bald würden die anderen von der Arbeit kommen. Dann könnte Lilith auch endlich wieder ihren Huku in die Arme schließen. Und er sie in die Seine. Doch bevor Lilith sich diesen Gedanken weiter ausmalen konnte, unterbrach sie ein quietschender Schrei. Ein Junge hatte einem vor ihm sitzenden Mädchen an den Haaren gezogen. Wahrscheinlich, um seinen Freunden zu imponieren, die jetzt vor Schadenfreude lachten.

„Ich haben gesehen“, rief Lilith. „Ihr lassen das! Das sein böse.“

Die Kinder verzogen schmollend ihre Gesichter, doch als Lilith wieder wegsah, fingen sie wieder an zu feixen. Lilith kümmerte sich nicht weiter darum. Sie kannte ihre Pappenheimer. Morgen würde sie sich etwas für sie einfallen lassen. Aber für heute war der Tag vorbei.

„Aufstehen alle“, befahl Lilith, „Gehen heim!“

Artig standen die Kinder auf. Ein paar murrten. Sie wollte noch ein Lied von Lilith hören. Doch dann löste sich die kleine Gruppe von Kindern auf. Die einen gingen in Richtung ihrer Heimhäuser, andere wurden von ihren Müttern abgeholt. Lilith sah, dass der Melonenbauch von Hana ziemlich spannte. Sie war kurz davor, wieder ein Baby zu bekommen. Andere Mütter trugen ihre Babys auf den Armen. Alle trugen sie Ketten, Ringe und Schmucknarben. Selbst die Kleinkinder waren mit bunten Kettchen um Hals und Hüften geschmückt. Lilith redete mit den Frauen noch über das Frühjahrsfest. Nebenher scherzte sie mit den Babys. Sie wusste, dass sie nach der Vereinigungszeremonie mit Huku bald selbst Kinder haben würde. Und sie freute sich unendlich darauf.

Einige der Frauen trugen auch gemusterte und bunt verzierte Körbe auf ihren Köpfen. Andere balancierten bauchige Kalebasse-Melonen als Traggefäße. Sie behalfen sich dabei mit Holzringen, die mit Stoffbändern umwickelt waren. Sie trugen die Sorghumhirse nach Hause, die sie zu Brei oder Fladen verarbeiten würden. Für die Männer wurde die Hirse auch zu dem herb schmeckenden Merisa gegärt, die sie abends und auf Festen tranken.

Nach einer kleinen Weile verabschiedete sich Lilith von den anderen, um nach Hause zu gehen.

Ein papageiähnliches Wesen, das bisher auf einem Ast in der Baumkrone gesessen hatte, flatterte zu Lilith hinüber und landete sicher auf ihrer rechten Schulter. Er war nicht ganz zwei Handlängen groß. Seine Schwanz- und Flügelfedern waren schwarz mit einem kräftigen dunkelgrünen Federsaum. Die Bauchfedern hingegen waren flaumig und in einem hellen, strahlenden Grün. Die Stirn leuchtete - wie auch seine Flügelränder und die kurzen Beinchen – in einem satten Orange wie bei einem Sonnenaufgang. Unter dieser Stirn blickte ein kleines, kindliches Gesicht in die Welt. Das sanfte Lindgrün seiner glatten Gesichtshaut wechselte auf den kleinen Pausbäckchen in ein intensives Tannengrün. Die riesigen, runden Augen waren aus einem tiefen Dunkelgrün und wirkten wie zwei schwarze Löcher. Anstelle einer Nase besaß dieses Tier das Oberteil eines kurzen, gebogenen Schnabels. Geschwungene, olivgrüne Lippen bildeten den kleinen, schmalen Mund darunter. Seine hornigen Füßchen waren dunkelgrau.

„Das war ein schönes Lied“, sagte das Wesen mit seiner kindlich wirkenden Stimme und summte den Refrain nach.

„Dir gefallen, Tanet. Gut“, antwortete Lilith.

Sie hatte den Papageien in der Lernzeit ihrer Arbeit zur Pflege bekommen, als er sich einen Flügel gebrochen hatte. Sie hatte sich liebevoll um ihn gekümmert und seitdem war er immer an ihrer Seite. Lilith liebte diesen Vogel und sie bewunderte ihn auch ein bisschen dafür, dass er die Sprache der großen Herrscher besser sprechen konnte als sie selbst. Doch sie störte sich nicht weiter daran.

Auf dem Heimweg sang Lilith noch einmal mit Tanet zusammen ihr neues Lied. Sie hüpfte und drehte sich im Takt der Melodie, sodass Tanet leichte Schwierigkeiten hatte, auf ihrer Schulter zu bleiben. Ab und an flatterte er mit seinen Flügeln, um nicht herunterzufallen. Die Menschen, die Lilith dabei sahen, lachten und riefen ihr Worte des Lobes zu. Lilith winkte strahlend zurück.

Dabei dachte sie an ihren Versprochenen Huku, den sie bald wieder in ihren Armen halten konnte. Sie musste sich beeilen, wenn sie sich noch für ihn hübsch machen wollte.


Lilith - Baum des Lebens
Leseprobe Teil 3
© Sven Schmidt, alle Rechte vorbehalten

Schwere Metallketten klirrten leise in dieser langen und lichtdurchfluteten Halle. Ab und an stampfte eine schwere Hufe auf den Boden einer der vielen Stallboxen, die sich in vier Reihen durch die Halle zogen. Die Luft schmeckte nach frischem Heu. Regelmäßig angeordnete Quergänge verbanden die breiten Boxengassen miteinander. Hin und wieder hörte man ein tiefes Schnauben der Zufriedenheit.

Der glatte Boden, die sauberen Boxen und Wände glänzten in einem sandfarbenen Ton. Das Tageslicht fiel durch lange Glasfensterreihen unterhalb der Hallendecke. Alles in diesem industriellen Stall war rein und sauber. Dabei standen in jedem dieser Boxen ein oder zwei große Tiere.

Adamah war sich der peinlichen Sauberkeit seiner Umgebung nicht bewusst. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, sich nach jedem Strohhalm zu bücken, der beim Heutransport auf den Boden gefallen war, und jeden Haufen wegzuputzen, den ein Tier hinterlassen hatte. Über so etwas dachte er nicht nach, er tat es einfach. Er und seine Freunde waren für die Pflege und das Wohlergehen der Tiere verantwortlich. Sie taten alles, was ihnen von den Cherubim und den neterischen Wissenschaftlern aufgetragen wurde. Und Adamah hatte Freude an seiner Arbeit.

Adamah war wie alle Menschen nackt. Seine Schmuckreifen hatte er für die Arbeit abgelegt. Seine Farbbänder an den Armen und über der Stirn waren von einem dunklen Blau. Auf der tiefschwarzen Haut seines muskulösen Körpers hatten sich winzige Schweißtropfen gebildet. Die Schmucknarben über seiner Stirn, an seinen Schläfen und auf seiner Brust waren sehr stark aufgewölbt und erinnerten mehr an Beulen. Das lag daran, dass beim Einritzen bei den Männern tiefere Einschnitte gemacht wurden als bei den Frauen. Adamah besaß schwarze, schulterlange Kringellocken, in die kleine Lederbänder mit kleinen, roten und schwarzen Buschsamen eingeflochten waren.

Adamah gab mit einer Heugabel einem Tier, das ihm bis zur Schulter reichte, saftige Fleischbrocken zum Fressen. Dieses Tier hatte den schwarzbraun gefleckten Körper eines Leoparden und den rotbraun gefiederten Kopf eines übergroßen Hahnes. Mit seinen schwarzen Knopfaugen musterte es Adamah neugierig. Sein knallroter Kamm stand aufrecht. Mit seinem kurzen, zahnbewehrten Schnabel pickte es die Fleischstücke von der Heugabel. Trotz der Gefährlichkeit des Tieres, seiner Größe, seiner scharfen Krallen und Zähne, machte sich Adamah keine Sorgen. Er kannte die Tiere im Stall und wusste, wie man mit ihnen umzugehen hatte. Einige konnten sogar sprechen wie er. Von dem Tier, das er gerade fütterte, wusste Adamah, dass es sehr schnell war und aufs Wort gehorchte. Adamah hielt ihm den letzten Brocken in die Box und befahl: „Friss!“

Schmatzend und kauend verschlang das unnatürliche Wesen den letzten Bissen. Abwartend starrte es Adamah noch einen Moment lang an. Als es merkte, dass kein weiterer Happen mehr kommt, zog es sich in eine Ecke zurück.

Huku kam aus der Nachbarbox. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er grinste Adamah an.

„Fertig“, sagte er.

„Zeit es sein“, antwortete Adamah.

„Wir gehen können?“, rief Adamah zum Cherub, der ihre Arbeitsgruppe überwachte.

Der Cherub winkte freundlich mit seiner Klauenhand und sagte: „Ihr könnt gehen. Bringt eure Futterkarren zurück ins Lager und spült sie sauber! Dann seid ihr fertig für heute.“

Huku und Adamah schnappten sich die Lederschlaufen der Karren und zogen sie die Boxengang entlang in Richtung des Futterlagers.

„Gespannt sein. Wo Gorande heute sein“, fing Huku an. Er hatte, ebenso wie Adamah, seinen Freund vermisst, der heute nicht zur Arbeit erschienen war.

„Cherubim fragen. Können haben schon Nachricht“, schlug Adamah vor.

„Nicht Nachricht“, widersprach Huku, „Fragen vorhin.“

Plötzlich hörte Adamah einen heftigen Schlag gegen eine Stahltüre. Ein Tier bockte. Ein tiefes, animalisches Brüllen echote durch die Boxengassen. Der Schmerzensschrei eines Menschen gellte hinterher. Befehle von Cherubim. Wieder schwere Tritte gegen eine Boxentür. Dann das zischende Geräusch einer Stabwaffe. Der laute Knall, als die Boxentüre aufflog und das mächtige Getrampel von Hufen.

Adamah lief ohne zu überlegen los. Er rannte durch die Quergasse. Er wollte helfen. Als er in die andere Boxengasse einbog, sah er bereits die wilde Bestie auf sich zukommen. Entsetzt blieb Adamah stehen. Das wütende Brüllen ließ Adamah erstarren. Er blickte paralysiert in schwarze, gnadenlose Augen, so groß wie Männerfäuste. Der breite Stierkopf war gesenkt, die gewundenen, armlangen Hörner auf Adamah gerichtet.

Im allerletzten Moment warf sich Adamah zur Seite. Er ergriff ein Horn und sprang dem tonnenschweren Biest aus der Bewegung heraus auf den Nacken. Die Bestie schrie überrascht auf. Adamah wurde heftig durchgeschüttelt. Er presste seine Beine gegen die kräftigen Halsmuskeln, um Halt zu haben. Adamah griff das zweite Horn und zog den Kopf mit aller Kraft nach oben. Der schwere Stier wehrte sich. Adamah zog ruckartig an den Hörnern und presste sie gleichzeitig gegeneinander. Der Stier wurde langsamer. Der Kopf neigte sich widerwillig nach hinten. Adamah ließ nicht locker. Als der Stier nur noch nach oben sehen konnte, blieb er keuchend stehen. Mit einem letzten Ruck riss Adamah den Kopf nach links und der Stier fiel zur Seite. Adamah sprang rechtzeitig ab, um nicht unter den gewaltigen Leib zu kommen, hielt aber die Hörner fest in seinen Fäusten. Unbarmherzig drückte er den Kopf des Tieres weiter in den Nacken. Hilflos strampelte es mit seinen Beinen und seine Hufe kratzten schrammend über den Boden. Seine pelzigen, muskulösen Hinterbeine waren die eines übergroßen Hasen. Unkontrolliert zuckten sie in alle Richtungen. Sofort war ein Cherub herbei und jagte dem Biest eine Beruhigungsspritze in den Hals. Nach wenigen Sekunden erschlaffte der wütende Körper. Adamah sah, wie sich der graue und ledrige Körper eines Nilpferdes entspannte. Das wütende Schnauben wurde von einem ruhigen Atmen abgelöst. Das Tier schlief.

 


Lilith - Baum des Lebens
Leseprobe Teil 4
© Sven Schmidt, alle Rechte vorbehalten

Huku und Lilith rannten den festgetrampelten Fußpfad nach Masakin entlang, gefolgt von ihrem gefiederten Freund Tanet. Das Dorf lag nur wenige hundert Meter von Tolabe entfernt, war aber wegen den Mopanebäumen nicht direkt zu sehen. Auf halbem Weg erreichten sie eine kleine Lichtung. Ein leises Summen schreckte Lilith aus ihren Gedanken. Das junge Mädchen schaute auf. Sie sah eines von diesen komischen, langen Pflanzen, die überall in der Gegend herumstanden. Diese Pflanzen waren größer als alle Bäume, die Lilith kannte, besaßen aber nur einen recht dünnen, silbergrauen Stamm ohne irgendwelche Äste oder Zweigen. Oben auf dem Stamm wuchs nur eine einzelne, kopfgroße, eckige Frucht, die an einer Seite aus festem, schwarzen Wasser bestand. Diese Frucht summte wie ein Bienenschwarm, wenn sie sich bewegte. Lilith fragte sich immer wieder, wie sich diese Frucht bewegen konnte, auch wenn überhaupt kein Wind ging. Sie verstand es nicht.

Lilith war einmal auf eines dieser Pflanzen gestiegen und hatte versucht, die Frucht zu pflücken. Sie wollte wissen, wie sie schmeckte. Doch nachdem sie auf die Frucht eingeschlagen und an ihr heftig gerüttelt hatte, musste sie erkennen, dass sich diese Frucht nicht pflücken ließ. Sie hatte die Frucht zwar vom Stamm lösen können, aber eine kräftige, schwarze Wurzel hatte sie weiterhin festgehalten. Lilith konnte diese Wurzel nicht durchbeißen. Und kurz darauf waren Cherubim erschienen, die sie von der Pflanze herunter geholt hatten. Jedoch nicht, bevor Lilith noch an der Frucht lecken konnte. Lilith war enttäuscht gewesen von dem kalten Geschmack. Die Frucht schmeckte so glatt und nach Luft wie ein glatter Stein aus dem Fluss.

Lilith und Huku durchquerten die Lichtung und liefen weiter nach Masakin. Nach kurzer Zeit erreichten sie ihr Ziel. Lilith bekam ein ungutes Gefühl, als sie die ersten Hütten durch den sich lichtenden Wald der Mopanebäume hindurch erkannte. Sie vermisste das Lachen von spielenden Kindern. Sie sah nicht die Rauchfahnen der Feuerstellen, über denen für gewöhnlich das Abendessen gekocht wurde. Alles war still und leblos. Lilith hatte plötzlich das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. Aber das war natürlich Unsinn. Sie wollte nur ihre Freunde sehen. Die dichte Wolkendecke am Himmel stahl allen Farben die Kraft und verstärkte so Liliths Besorgnis.

Lilith beschleunigte ihren Schritt. Huku blieb ihr dicht auf den Fersen und Tanet flatterte ungeduldig zwischen den Baumkronen voraus. Sie ließen die letzten Bäume zurück und konnten nun das ganze Dorf Masakin überblicken. Überrascht blieben sie stehen. Lilith fröstelte. Sie spürte eine unbekannte Furcht in sich aufsteigen.

Die Häuser standen genauso wie in Tolabe in vier Reihen und bildeten insgesamt ein Viereck. Die Waschhütte und der Abort, die sich schon wenige Schritte von Lilith befanden, waren wie in ihrem Heimatdorf nach Osten ausgerichtet. Der Westwind konnte so die unangenehmen Gerüche vom Dorf wegtragen.

Lilith bot sich ein Bild, das sie nicht verstand und sie erschaudern ließ. An den Hütten standen geflochtene Körbe und kleine Handkarren genau dort, wo man sie nach dem Gebrauch ganz normal abstellte. Allerdings sah Lilith auch umgestürzte Karren auf den Straßen liegen. Auch ein paar Körbe waren umgeworfen und schienen zertreten worden zu sein. Dazwischen andere Gebrauchsgegenstände. Hier und da liefen gackernde Hühner umher. Lilith sah auch einige Ziegen, die nach Futter suchten. Doch nirgendwo ein Mensch. Alles war verlassen.

Liliths Angst fraß sich in ihre Gedanken. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Was war hier passiert? Wo waren ihre Freunde? Im Geiste sah sie die Menschen vor einer großen Gefahr davonrennen.

„Gehen wir Fluss“, forderte Huku sie auf. Lilith sah ihn an und erkannte, dass er ebenfalls große Angst hatte. Im ersten Moment wollte sie nachgeben. Sollten sich doch die Cherubim und Seraphim darum kümmern. Wenn irgendein Unglück passiert war, waren sie immer zu Stelle, um zu helfen. Lilith sah wieder zum Dorf. ‚Richtig’, dachte sie sich, ‚wo Seraphim sein?’

Warum war überhaupt niemand hier? Lilith wurde neugierig. Wo waren sie alle? Sie überlegte kurz und die Sorge über ihre Freunde überwog. Sie überwand ihre Angst und ging zögernd weiter.

„Lilith!“ flüstertet Huku eindringlich, „Hier bleiben! Böser Dämon alle fressen. Nicht gehen!“

Lilith blickte zu ihm zurück und gab ihm einen Wink, mit ihr mit zu kommen. Doch Huku blieb stehen und schüttelte ängstlich mit dem Kopf.

„Gehen Fluss“, wiederholte er.

Lilith war klar, dass ihr Freund so schnell wie möglich von hier weg wollte. Doch sie dachte an Nyaro und alle anderen, die hier lebten. Was war aus ihnen geworden? Sie musste sich vergewissern, dass es ihnen gut ging.

Lilith ging langsam weiter zur ersten Hütte. Huku rief noch ein paar Mal flüsternd ihren Namen und verstummte dann. Tanet kam aus einer Baumkrone geflogen und flog über Lilith hinweg. Er setzte sich dann auf ein Schild, das an einer langen, silbergrauen Stange angebracht war und auf dem etliche Linien und Muster aufgemalt waren. Lilith wusste nicht, was sie zu bedeuten hatten. Doch sie wusste, dass sie für die Cherubim wichtig waren. Vor jedem der sechs Dörfer, die Lilith kannte, standen solche großen Schilder. Doch waren auf jedem dieser Schilder unterschiedliche Zeichen zu sehen, wenngleich sich einige auch ähnlich waren.

„Lass uns zum Fluss gehen“, forderte nun auch Tanet, „es ist unheimlich.“

„Such andere!“, befahl Lilith und zeigte ins Dorf.

Tanet legte seinen Kopf schräg, als ob er nachdenken müsse. Dann schüttelte er den Kopf so, wie er es bei den Menschen abgeschaut hatte. „Meine linke Schwanzfeder sagt aber, dass wir zum Fluss sollten.“

„Ich Schwanzfeder rupfen. Flieg!“

Tanet krächzte einen missmutigen Ton, flog dann aber los. Lilith schaute ihm nach, bis er hinter den ersten Gebäuden verschwunden war. Möglichst leise folgte sie ihm langsam ins Dorf. Ihre Sinne waren bis aufs Äußerste angespannt. Sie schaute in alle Richtungen und achtete auf jedes kleinste Geräusch. Doch außer den leisen Hufschritten der Ziegen und dem Gegackere der Hühner hörte sie nichts. Lilith konnte sich nicht vorstellen, was hier passiert war. Doch sie spürte eine unnatürliche Angst, dass auch sie plötzlich verschwinden konnte. Sie fröstelte wieder. Der Frühling war noch jung und schiefergraue Wolken hatten den ganzen Tag über die Sonne verdeckt. Jetzt war es kühl. Lilith dachte an das wärmende Feuer, das daheim auf sie wartete, und wünschte sich in die Geborgenheit ihrer Hütte zurück.

Doch sie ging mutig weiter. Sie musste wissen, wo ihre Freunde waren.

Lilith erreichte das erste Haus. Es bestand aus sechs im Kreis stehenden und mit Mauern verbundenen Rundhäusern. Fast so wie das Haus, in dem Lilith selbst mit ihrer ganzen Familie lebte.

Ein plötzliches Summen schreckte sie auf und Lilith zuckte kurz zusammen. Lilith atmete tief durch. Sie brauchte nicht nachzuschauen, woher das Geräusch gekommen war. Jetzt hatte sie sich doch glatt von einer Summpflanze erschrecken lassen. Sie begann, leise eine Melodie zu summen. Die Töne überdeckten die unheimliche Stille an diesem Ort. Lilith beruhigte sich etwas.

Sie erreichte den Eingang des ersten Hauses und trat durch die niedrige Öffnung in der etwa zwei Meter hohen Mauer. Dann stand sie im Innenhof, der einen Durchmesser von etwa sieben Metern hatte. In seiner Mitte befand sich die Feuerstelle und Lilith erkannte an der weißgrauen Asche, dass sie schon lange erkaltet war. Um die Feuerstelle herum war der hellbraune Boden glatt und sauber. Hier saßen und lagen normalerweise die Bewohner und erzählten sich die Geschichten vom Tage. Daneben lagen einige getrocknete Zweige und Äste, die man ins Feuer nachlegen konnte.

„Hier jemand sein?“, rief Lilith.

Sie erhielt keine Antwort.

Ihr war unheimlich zumute. Jede Faser in ihr schrie danach, wegzulaufen. Doch sie wollte herausfinden, was ihren Freunden hier passiert war.

Tanet kam herbeigeflattert und setzte sich auf den Rand eines Daches. Neugierig blickte er in den Innenhof zu ihr hinunter.

„Hier ist niemand,“ informierte er Lilith mit seiner dünnen Stimme, „wir sollten woanders suchen.“

Lilith nickte ihm zu und sah sich um. Die zwei bis vier Meter durchmessenden Rundhütten dieses Hauses waren alle um die drei bis vier Meter hoch. Ihre Wände hatten einen hellbraunen Grundton und unterhalb des Daches verliefen verschiedene Linienmuster aus ocker- und rotbrauner Farbe. Auf stabilen Ästen, die in Kopfhöhe aus den Mauern lugten, standen dicke Kalebassekrüge, die mit gewundenen weißen Linien und weißen Fingerpunkten verziert waren. Diese Krüge waren aus den ausgehöhlten und getrockneten Hüllen der Flaschenkürbisse hergestellt worden.

Lilith ging zur ersten Rundhütte rechts von ihr und blickte durch die ein bis zwei Meter durchmessende Öffnung, die sich kniehoch über dem Boden befand. Der Innenraum lag im Dunkeln. Doch Lilith konnte genug erkennen. Es war die Wohnhütte, in dem sich die Familie bei schlechtem Wetter aufhielt. In der Mitte ragte ein armdicker Stamm hoch, der das Dach trug. Der Raum war groß genug, dass man darin stehen konnte. Auf dem geglätteten Steinboden lagen geflochtene Rietmatten. Die Wände waren glatt poliert. Genaus so, wie Lilith es von daheim kannte. Es erinnerte sie daran, wie ihre Familie vor etlichen Monden ihre eigene Wohnhütte verschönert hatte, indem sie silbrig schimmernde Steine zerkleinerten und auf die Lehmwände gerieben hatten. Tagelang hatten sie die graphithaltige Erde mit dem Daumenballen geglättet, bis die Wände wunderschön glänzten. Sie konnte sich noch daran erinnern, wie stolz ihre Eltern gewesen waren und dass sie zur Feier des Tages eine Ziege geschlachtet hatten. Das hatte Lilith so traurig gemacht, dass sie danach nur noch geweint hatte.

Sie war damals noch ein Kind, sagte sie sich und konzentrierte sich wieder auf den Wohnraum. Alles sah so normal und aufgeräumt aus.

Unterhalb der Decke war die silbrige Wand mit runden und eckigen Mustern und Punktmustern verziert. Darunter ragten Äste heraus, auf denen Kalebassetrommel, Anschlagrasseln aus kleinen Zweigen und Musikbögen abgelegt waren. An anderen Ästen hingen Schmuckketten aus roten und braunen Steinen, Lederbändchen und Kettchen aus kalkweißen Zähnen.

So kannte Lilith es auch von zu Hause. Sie fand jedoch keinen Hinweis darauf, was aus den Bewohnern geworden war.

Sie ging zum nächsten Rundhaus. Es war die Kochhütte, die bei Regen genutzt wurde. Lilith sah die Feuerstelle, die sauber ausgefegt war. An den Wänden hingen Kalebassetöpfe, Krüge, schwarz glänzende Steinmesser, Holzspieße und getrocknetes Fleisch. Auf dem Boden lagen Kalebassen mit verschiedenen Früchten. So ähnlich sah es auch in ihrer eigenen Kochhütte aus, fiel Lilith auf. Alles ordentlich und sauber.

Die nächste Hütte war die Schlafhütte für die Eltern und die Kinder. Der Eingang befand sich hier auf Bauchhöhe und war gerade einmal breit genug, dass ein normaler Erwachsener hindurchklettern konnte. Lilith wunderte sich, dass er offen war. Normalerweise wurde der Eingang mit Stroh und Steinen verschlossen, damit die Hütte in der Hitze des Tages schön kühl blieb. Lilith lugte durch die enge Öffnung. In dem spärlichen Licht sah sie auch hier nichts Ungewöhnliches. Vielleicht lagen die geflochtenen, hellbraunen Liegematten nicht so ordentlich herum wie bei ihr daheim. Aber Lilith dachte sich nichts weiter dabei.

Die nächste Hütte war die Vorratskammer. Lilith sah, dass hier der enge Eingang verschlossen war, und beließ es dabei. Sie glaubte nicht, dass sie hier etwas finden würde.

In der fünften Rundhütte, in dem die Eltern der Eltern schliefen, fand Lilith ebenfalls nichts Auffallendes. Nur dass auch hier die Liegematten etwas verschoben waren. Lilith wunderte sich langsam darüber, dass es auch hier so ähnlich aussah, wie bei ihr Daheim.

Die letzte Rundhütte war der Stall. Lilith sah mit einem kurzen Blick, dass er leer war. Die Tiere waren ausgebrochen. Vermutlich um Futter zu suchen.

Tanet, der geduldig auf dem Dachrand der Wohnhütte gewartet hatte, fragte hinunter: „Hast du etwas gefunden?“

Lilith zögerte. Was sollte sie sagen? Haus wie mein Haus aussehen? Welche Hilfe war das denn?

„Schwanzfeder fragen. Alles wissen besser.“

Lilith verließ die Hüttengruppe. Tanet flog hinterher.

„Die linke Schwanzfeder“, korrigierte er. „Die Rechte ist genauso einfallslos wie du.“

Lilith ging zügig zum nächsten Haus.

„Ich die linke Schwanzfeder nehmen und machen Halskette. Dein Schwanz dann geben Ruhe.“

Tanet pfiff empört. „Und ich müsste dann immer zu dir fliegen, um deine Halskette um Rat zu fragen.“

„Ich sein endlich klüger als du“, entgegnete Lilith lachend.

„Die Halskette.“

„Ich.“

„Die Halskette.“

Lilith grunzte verärgert. Damit war für sie das Thema beendet. Auf der einen Seite mag sie es nicht, wenn Tanet so überlegen tat, aber auf der anderen Seite hoffte sie, sie könne von Tanet lernen, ebenfalls so zu reden. Es war die Sprache der Neteru. Und die standen noch über den Seraphin. Lilith wollte irgendwann so sein, wie die großen Herrscher.

Sie kam am zweiten Gebäude an und ging hinein. Sie blickte in die Hütten und sah, dass auch hier alles tadellos war. Ihr fielen wieder die Ähnlichkeiten mit ihrem eigenen Zuhause auf. Diese Ähnlichkeit der beiden Dörfer war ihr unheimlich und steigerte ihre Angst ins Unermessliche. Lilith war das zuvor noch nie aufgefallen. Immer hatte sie die Menschen gesehen, die dort gearbeitet und gelebt hatten. Sie hatte mit ihnen gesprochen, hatte mit ihren Freunden Spaß gehabt. Immer war etwas los gewesen. Dass die Wohnhütten identisch aussahen, hatte Lilith nie gemerkt. Sie erkannte es erst jetzt, wo alle Bewohner verschwunden waren. Und sie stellte sich die anderen Dörfer in der Umgebung vor, wo ebenfalls Freunde von ihr lebten: Tadoro, Qisar, Tamuri und Torongo. Lilith begriff, dass sie alle so aussahen wie dieses Dorf oder ihr Heimatdorf Tolabe. Was hatte das zu bedeuten?

Panisch rannte sie auf die Straße zurück. Gehetzt blickte sie in alle Richtungen. Sie drehte sich um ihre Achse und schaute die staubigen Straßen hinauf und hinunter. Wie in ihrem Dorf! Diese Erkenntnis traf sie wie ein Schlag. Die Wohnhütten waren in vier Viererreihen angeordnet. Der Abort und die Duschhütte: im Osten. Wie in ihrem Dorf! Alles sah so gleich aus.

Sie rannte in eine Seitenstraße zu einer Hütte, die in Tolabe ihrer Elternhütte entsprach. Tanet flatterte ihr hinterher. Lilith zögerte kurz, bevor sie das Haus betrat. Kein Mensch war hier. Lilith erkannte, dass es fast genauso aussah wie bei ihr Zuhause. Die Muster an den Wänden waren eckig und kantig, statt rund und gewunden. Die Feuerstelle befand sich hier wie daheim in der Mitte des Hofraums, die Äste und Zweige zum Nachlegen, die Kalebassen an den Mauerästen. Rechts die Wohnhütte, gegenüber die Schlafhütte. Alles genau so wie Daheim.

Lilith wurde schwindelig. Sie verstand das nicht. Würde ihre Familie jetzt hier sein, würde sie sagen, sie wäre zu Hause. Langsam taumelte sie wieder hinaus. Sie setzte sich neben die Tür auf den Boden und lehnte sich gegen die Hauswand. Ungläubig ließ sie ihren Blick über die Häuser schweifen. Ohne die fehlenden Menschen wäre ihr das wohl nie aufgefallen. Ihre Anwesenheit hatte sie immer abgelenkt. Nun waren sie verschwunden. Nur die Hühner und Ziegen liefen durch die Straßen. Und die Summpflanze summte. Lilith fiel auf, dass auch diese Pflanze genau dort stand, wo sie in Tolabe ebenfalls war.

Tanet landete neben ihr auf dem Boden.

„Wir sollten zurück gehen. Huku wartet auf uns.“

Lilith antwortete nicht. Sie hatte etwas entdeckt. Sie stand auf und lief zur Dorfmitte. Tanet flatterte hinterher. Dort angekommen starrte Lilith auf den Boden. Überall waren Fußspuren – wild durcheinander. Lilith erkannte Spuren von barfüßigen Menschen und Cherubim, aber auch die großen Spuren der Seraphim, die ihre Füße in eine zweite, lederne Haut steckten. Das war ungewöhnlich. Was hatten die Wächter hier zu tun gehabt?

Doch das war es nicht, was Lilith aus der Entfernung gesehen hatte. Sie betrachtete die breiten Radspuren der großen Kastenkutschen. Lilith kannte diese besonderen Kutschen. Sie hatte sie schon oft bei den Ställen gesehen. Damit wurden immer die toten Tiere abtransportiert. Ihre Spuren waren deshalb so besonders, weil sich noch schlangenförmige Linien in ihnen befanden. Die Spuren der Kutschen, mit denen Lilith normalerweise fuhr, waren nur schmale Striche im Boden. Die Kastenkutschen hatten breite Räder.

Lilith stand vor diesen Spuren und grübelte. Sie konnte sich nicht erinnern, dass eine Kastenkutsche jemals in ihr Dorf gefahren war. Sie hatte solch eine Kutsche auch nie in der Nähe eines der anderen Dörfer gesehen. Warum auch? Dort gab es keine toten Tiere, die wegtransportiert werden mussten. Oder aber …

Lilith dachte diesen entsetzlichen Gedanken nicht zu Ende. Das konnte unmöglich sein. In ihrem Kopf entstanden Bilder, die ihr eine schreckliche Angst einjagten. Eine ungekannte Panik ergriff Lilith und sie stürmte los. Weg von diesen Spuren. Raus aus dem leeren Dorf mit den immergleichen Hütten. Diese verfluchte Stille hinter sich lassend.

Ein böser Dämon hatte hier gewütet und hatte die Freunde entführt. Dessen war sie sich nun ganz sicher. Und wenn sie nicht schnell genug rannte, würde er kommen und auch sie schnappen.

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Adam und Eva

Adam und Eva waren nach der biblischen Erzählung im Buch Genisis das erste Menschenpaar und Stammeltern aller Menschen.

Auch der Koran erwähnt Adam und Eva.

Adam und Eva lebten zunächst im Garten von Eden, bis sie diesen Ort durch Gottes Entscheidung verlassen mussten.

Schwabendoomsday

SchwabendoomsdaySchwabendoomsday ist der Tag, an dem Stuttgart zerstört wird, um aus Deutschland wieder eine Monarchie zu machen.

Schwabendoomsday – Teil 1: Terrorziel Stuttgart ist ein reinrassiger Katastrophenthriller. Der Anschlag auf das Schwäbische Herz setzt eine Kausalkette in Gang, an deren Ende sich Maximilian die Kaiserkrone aufsetzen kann.

Schwabendoomsday – Teil 2: Terrorziel Freiheit ist ein utopischer Staatsroman. Maximilian ist Kaiser und herrscht mit eiserner Faust. Wie reagieren die Menschen in einer neuen Monarchie? Wie entwickelt sich eine Gesellschaft ohne Freiheit? Kann es eine Rückkehr zur Demokratie geben?

Lesen Sie, wie Deutschland ohne Freiheit aussehen könnte.

Lilith - Baum des Lebens

Lilith - Baum des LebensDieser Roman beschreibt die uralte Schöpfungsgeschichte um Adam und Eva.
Neu und modern erzählt - aus der Sicht von Lilith.

Lilith ist ein junges Mädchen, das zusammen mit ihren Freunden Adamah und Chawah im Garten von Eden lebt. Nach dem Essen der Frucht der Erkenntnis erfährt sie, dass die Menschen nur eine Züchtung der Neteru sind. Nur dazu erschaffen, um den Igigu als Sklaven zu dienen.

Lilith nimmt den Kampf um die Freiheit auf und wird so zur ersten großen Heldin der Menschheitsgeschichte.

Thot - Spuren aus Stein

Thot - Spuren aus SteinIn ferner Vergangenheit:
Nibiru, die Heimatwelt der Götter, wurde von einer gewaltigen Katastrophe bedroht. Darum musste die Zivilisation der Neteru fliehen.

Sie hinterließen uns ihre Spuren aus Stein in der Hoffnung, dass wir uns an sie erinnern...

Gegenwart:
Ein Forscherteam findet nahe Luxor erste Hinweise. Sie folgen den uralten Spuren der Himmelmenschen und erfahren, was seit Jahrtausenden vergessen war.

Spuren aus Stein - Bilder von Gizeh

Spuren aus Stein - Bilder von Gizeh

Dieser Bildband ist eine Ergänzung zum Datenblatt "Spuren aus Stein - die Geheimnisse" und meinem Roman "Thot - Spuren aus Stein".

Die Fotos sollen dem Betrachter einen Eindruck über die Monumente von Gizeh vermitteln. Die Bilder der gigantischen Felsblöcke sollen zeigen, welcher Aufwand betrieben wurde. Die Bilder der Verwitterungen sollen das unvorstellbare Alter bezeugen.

Hier sollen Sie die Pyramiden, den Sphinx und die Tempel nicht als Tourist betrachten. Schauen Sie genau hin! Die Fragen kommen von allein.