Die Pyramiden von Gizeh sind Spuren aus Stein

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Schwabendoomsday
Leseprobe Teil 2
© Sven Schmidt, alle Rechte vorbehalten

Der Henker war ein Hüne. Natalie hatte schon viele große Kerle gesehen, aber der hier musste über zwei Meter zehn sein. Er stand trotz der hohen Decke gebückt und stützte sich wie ein alter Mann auf seiner übergroßen Axt ab. Als Natie vor wenigen Minuten von zwei leibhaftigen Rittern hier hergebracht und auf diese Streckbank gefesselt worden war, hatte sie die mittelalterliche Axt aus der Nähe sehen können. Dabei war ihr nicht das feine silberne Band entlang der Schneide entgangen, das ein grobkörniger Schleifstein beim Schärfen hinterlassen hatte.

Die Axt war scharf. Davon war Natalie überzeugt. Der Gedanke daran überzog sie mit einem schaurigen Gefühl der Vorfreude. Gänsehaut überzog ihre Arme und Beine und ihre Nippel wurden hart. Sie trug nur ein schlichtes, raufasriges Sackkleid, das ärmellos war und ihre Knie frei ließ. Es gab ihr das zerlumpte Äußere einer mittelalterlichen Bauernmagd. Darunter war sie splitterfasernackt.

Alles muss authentisch sein.

Natalie war ehrlich zu sich selbst. Sie fror nicht. Sie war erregt. Sie betrachtete den Riesen neben sich. Er trug eine schwarze, angestoßene Ledermontur, die aussah, als ob sie schon öfter in Gebrauch gewesen war. Dünne Lederbändchen ersetzten Knöpfe und die groben, unregelmäßigen Nähte zeugten von leidenschaftlicher Handarbeit. Braune Augen lugten durch die Löcher der schwarzbraunen Lederkapuze. Natalie glaubte, in ihnen männliche Gier zu sehen. Sie kannte diesen Blick. Sie hatte ihn schon oft bei Männern gesehen. Sie war schließlich eine wunderschöne Frau mit einem wohlgeformten Körper. Und obgleich ihre Arme kopfüber an dieses Folterinstrument gebunden waren, waren ihre Brüste noch immer samtweiche Hügel unter diesem grobstofflichen Kleid. Natie stellte sich vor, wie der riesige Henker mit seiner riesigen Axt über ihre Nippel strich. Ihre Erregung stieg.

Sie schalt sich einen Narren.

Verdammt, konzentriere dich.

Sie musste sich dazu zwingen, in die andere Richtung zu schauen. Aber nicht, ohne sich vorher auszumalen, wie der riesige Henker in sie drang mit seinem riesigen …

Oh, nein. Hör auf! Verdammt! Deswegen bist du nicht hier.

Sie wandte ihren Blick von ihm ab, hinein in einen von dicken Kerzen beleuchteten Raum. Der Gewölbekeller war hell, die Wände getüncht. So gar nicht, wie man sich eine Folterkammer in einer alten Burg sonst so vorstellte. Den handgezogenen Wachskerzen wollte es nicht so recht gelingen, eine geheimnisvolle Dunkelheit zu inszenieren, um den Raum gefährlich und mysteriös erscheinen zu lassen.

Natalie wusste, dass hier, wo jetzt ihre Folterwiege stand, ansonsten ein freier Bereich war, an deren Wände die Kupfer- und Alabasterbüsten der alten Könige auf Holzregalen standen. Ihre Eltern hatten sie schon als kleines Mädchen hierher mitgenommen. Schließlich wohnten sie unten in Bisingen und hatten die Burg Hohenzollern direkt vor ihrer Nase.

Doch heute war sie als Gefangene hier. Sie spürte den Blick des Henkers in ihrem Nacken. Und nicht nur dort.

Das bildest du dir nur ein. Er ist schwul.

Sie schaute sich intensiv im Gewölbekeller um, nur damit sie ihre erotischen Fantasien zügeln konnte. Gleich als sie hergebracht worden war, hatte sie festgestellt, dass sich diese Souterrainetage sehr verändert hatte. Normalerweise war das hier ein frei begehbarer Bereich. Besucher erfuhren hier auf Hinweistafeln an den Wänden die Besonderheiten dieses historisch belasteten Ortes. Weiter hinten, neben der Treppe, die von oben hier herunter führte, befand sich der Silberkeller. Hinter einer abgeschlossenen Glastür konnten Besucher normalerweise das edle Familienporzellan der Hohenzollern bewundern. Geschirr aus der königlichen Porzellanmanufaktur, wertvolle Gläser und Karaffen, sowie Saucieren, Kerzenständer, Tabletts, Salz- und Pfefferstreuer aus den Berliner Silberschmieden glänzten in Reih und Glied auf einfachen Holzregalen und gaben Zeugnis ab über den alten Glanz königlicher Zeiten. Doch heute waren die Regale leer. Das wertvolle Geschirr diente heute den Herrschaften, so wie es von jeher seine Bestimmung war.

Dieser ansonsten leere Kellerbereich war heute vollgestopft mit uralten hölzernen und stählernen Folterinstrumenten. Natalie hatte die Eiserne Jungfrau erkannt. Ein eiserner Hohlkörper in der Gestalt einer dickbauchigen Frau, aus dessen geöffneten Türen lange, spitze Nägel ragten.

Auch standen zwei Holzstühle in der Nähe, auf denen die Delinquenten festgebunden werden konnten. Die beiden Ritter, die sie hergebracht hatten, hatten hinter ihnen Position bezogen.

Der Rechte Stuhl hatte in der Mitte des Sitzes ein großes, rundes Loch. Wie ein Plumpsklo, dachte sich Natie. Sie konnte sich nur allzu gut vorstellen, wie ein Folterknecht mit einem geeigneten Werkzeug durch diesen freien Zugang an den Genitalbereichen der Gefangenen hantierte.

Der andere Stuhl besaß einen auffälligen Stahlkragen, durch den ein paar dicke Schrauben getrieben waren.

Da bleibt einem echt die Luft weg.

Natalie war froh, dass sie einfach nur hier liegen konnte und nicht auf diesem Folterstuhl gefesselt war.

An den Wänden hingen teils verrostete Zangen, angespitzte Schrauben und andere Folterwerkzeuge. Natalie war von der Detailverliebtheit des Gastgebers fasziniert. Sie zweifelte keine Sekunde daran, dass diese Gerätschaften authentisch waren und nicht nur irgendwelche Kopien. Sie könnte wetten, dass an diesen Folterinstrumenten tatsächlich mittelalterliches Blut klebte. Durch sie haben bestimmt nicht wenige Menschen ihr Leben verloren. Und wer konnte schon sagen, wie viele von ihnen tatsächlich schuldig gewesen waren.

Natie hörte Schritte von der Treppe her. Die Herrschaften kamen.

Natalie spürte plötzlich eine innere Anspannung, eine innere Nervosität, wie sie Schauspieler vor einer großen Premiere bekamen. Der Volksmund sprach dann von Lampenfieber. Es war die Angst, den Text zu vergessen, den Einsatz zu verpatzen oder einen Schritt in die falsche Richtung zu machen.

Natalie atmete tief durch. Sie versuchte sich zu beruhigen.

Du liegst gefesselt auf einer Streckbank und musst nur schreien. Da kannst du nicht viel falsch machen.

Die Schritte erreichten den Keller. Natalie blickte hinüber zum anderen Ende des vollgestellten Raumes und sah nun die erste Person um die Ecke kommen.

Es war ein König. Natalie geriet ins Schwärmen. Er sah so stilecht aus! Sein Wams in dunklem Azurblau, auf dem dunkelgoldene Königslilien aufgestickt waren, schimmerte seiden im Kerzenschein. Darunter trug er ein spitzenbesetztes, bauschiges Hemd. Die kugelförmige Melonenhose, die seine Oberschenkel umschloss, besaß längliche Schlitze, aus denen samtblauer Seidenstoff hervorquoll. Samtig blau war auch die Seidenstrumpfhose, die in spiegelglatt polierten, schwarzen Lederschuhen mit goldenen Schnallen steckte. Über allem trug der Mann, dem eine Aura von königlicher Würde vorauseilte, einen schweren, dunkelblauen, ebenfalls mit goldenen Lilien bestickten Umhang, der leise über den Boden strich. Die schwarz glänzenden Locken seiner Perücke fielen über den makellos weißen Stehkragen.

Natalie staunte nicht schlecht, als sie das hagere Gesicht des Mannes erkannte. Der dicke Zwirbelschnurrbart war sein Markenzeichen. Sie musste schmunzeln.

Natürlich, alle lachen über ihn. Aber er lebt seinen Traum.

Die Personen in seiner Gefolgschaft waren nicht minder stilecht gekleidet. Es waren an die zwanzig Personen, die sich in dem Keller versammelten. All die vornehmen Damen und adligen Herren trugen detailreiche Festgewänder, wie man sie vom Hofe deutscher Könige aus dem 17. und 18. Jahrhundert her kannte.

Die Gesellschaft stellte sich so auf, dass jeder etwas sehen konnte. Dann gab der ‚König’ einen Wink mit einem rubinenbesetzten, goldenen Zepter.

Natalie erschrak, als sie das knarrende Geräusch von beanspruchtem Holz hörte. Sie war so von den Kostümen abgelenkt gewesen, dass sie vergessen hatte, warum sie eigentlich hier war. Dann spürte sie auch schon, wie ihre Arme nach oben gezerrt wurden.

„Nein“, wimmerte sie laienhaft, „tu mir nichts. Ich habe nichts verbrochen.“

„Das sagen alle, die hier liegen“, antwortete der Henker mit einer überraschend wohlklingenden, tiefen Stimme. „Und am Ende gestehen sie doch.“

Er drehte am Handhebelrad und die ledernen Schnüre um Natalies Handgelenke spannten sich weiter. Alles noch im schmerzlosen Bereich.

„Wirklich“, versicherte sie jetzt mehr in ihre Rolle eintauchend, „ich bin keine Hexe“.

„Du bist gesehen worden, wie du bei Vollmond auf einem Besen geritten bist.“ Er drehte ein Stückchen weiter.

Natalie hätte fast kurz aufgekichert. Doch ein kurzes Ziehen in ihren Schultern hielt sie davon ab.

„Lüge! Ich besitze keinen Besen.“

Das war nicht einmal gelogen. Ein Wischmop für die Kehrwoche im Treppenhaus war doch etwas ganz anderes. Und um die Straße kümmerte sich der Hausmeister.

„Eine weitere Person hat gesehen, wie du drei kleine Katzenjungen vor einem Teufelsantlitz geopfert hast.“

Das Handrad knarzte erneut. Die Lederriemen gruben sich in Natalies Fleisch und ein erneuter Schmerz zuckte durch ihre Schultern. Natalie versuchte, sich länger zu machen, um den Schmerz zu lindern. Doch die Fesseln um ihre Fußgelenke verhinderten das.

„DAS WAR ICH NICHT“, schrie sie, „HÖR AUF!“

„Gib zu, dass du eine Hexe bist“, sagte der Riese sanft, „Dann höre ich sofort auf.“

Dieses Mal dreht er nur ganz wenig am Rad. Doch der Schmerz jagte hell die Wirbelsäule hinunter. Natalie verkrampfte in einem Hohlkreuz. Das grobe Sackkleid rutsche die Waden hoch und entblößte mehr, als Natie lieb gewesen wäre.

Ihr entfuhr ein kleiner Schmerzensschrei. Sie überlegte, ob sie nicht das Safeword sagen sollte. Doch sie hatte noch nicht einmal eine Minute ihre Rolle gespielt. Dafür würde sie ganz bestimmt nicht die fünftausend Euro bekommen, die man ihr versprochen hatte. Und die brauchte sie unbedingt für ihr Jurastudium.

Leise wimmernd entspannte sie sich wieder. Der Schmerz ließ nach.

Beiß die Zähne zusammen. Biete ihnen die Show, für die sie bezahlt haben.

„Alles Lüge“, flüsterte sie kaum hörbar. Doch in dem Raum konnte sie jeder verstehen. Und noch einmal: „Alles Lüge!“

Der hünenhafte Henker beugte sich über sie. „Bist du sicher?“ flüsterte er ebenso leise zurück.

Holz knarrte, Lederriemen spannten. Der gleiche helle Schmerz, nur hundertfach stärker.

Natalie schrie! Der Schrei wurde tausendfach von den Kellerwänden zurückgeworfen. Die Gesellschaft applaudierte leise. Der Schmerz durchflutete Natalie wie ein mächtiger Tsunami.

„HÖR AUF, DU SACK!“, fluchte sie.

Der Schmerz blieb. Er ließ zwar etwas nach, doch er verschwand nicht.

Natalie analysierte nüchtern wie ein Doktor, dass ihre Sehnen im Rücken und unter ihren Achseln überdehnt worden waren.

„Das ist kein Spaß, du Arsch“, herrschte sie ihren Peiniger an.

„Du musst nur gestehen, dass du eine Hexe bist, und schon ist das hier vorbei.“

Er griff demonstrativ zum Handgriff – berührte ihn aber nicht. Natalie sah die Geste und verkrampfte ob der bevorstehenden Schmerzwelle. Der Henker ließ sie warten.

‚Eigentlich hat er recht’, musste sie sich selbst gegenüber zugeben. ‚Darum bin ich doch hier, oder nicht? Ich muss nur zugeben, dass ich eine Hexe bin. Ich brauch kein Safeword. Der Henker spielt immer noch nach den Regeln. Solange ich nicht das Safeword sage oder zugebe, dass ich eine Hexe bin, dreht er am Rad. Ich lasse ihn gewähren. Ich habe noch immer die Kontrolle.’

Sie überlegte einen Moment, wie weit zu gehen sie bereit war. Es wird nichts passieren, Es sind alles erwachsene Leute, die einfach nur Spaß am Rollenspiel haben.

Dann sagte sie so hasserfüllt und so laut sie nur konnte: „Ich verfluche euch, eure Brut, eure Ernte auf den Feldern und eure Seelen in euren Leibern. Seid verdammt in alle Ewigkeit, die Sonne wird nie wieder über eurem Land scheinen und der Himmel wird auf eure Köpfe fallen! Seid verflu…“

Knarzen, ziehen, SCHREI!

Natalies Verstand gab auf. Ihr Bewusstsein flüchtete sich in eine gnädige Bewusstlosigkeit.

Ein Schwall eiskalten Wassers flutete über ihren Körper. Natalie zog sich zusammen. Doch der wieder auflodernde Schmerz erinnerte sie sofort daran, dass sie gefesselt war.

Sie lachte höhnisch. Sie sah ihren Henker an und dann auf die andere Seite zur sensationsgierigen Gesellschaft.

Sie wollte etwas Zynisches sagen, doch dann lachte sie nur. Erst laut und provozierend, dann gehässig und am Schluss keifend.

Der Henker tippte das Handrad dieses Mal nur mit einer Fingerspitze an.

Natalie sah grelle Sterne vor ihren Augen. Sie schrie, dass ihre Stimmbänder schmerzten. Doch dieser Schmerz war nichts im Vergleich zu den zuckenden, zuschlagenden Blitzen in ihrem Rücken, ihren Armen und Beinen, in den Sehnen, Venen und Adern. Ihr Herz raste verzweifelt und ihr Hirn pochte malträtierend von innen gegen die Schädeldecke.

„ICH WAR’S! ICH WAR’S! ICH BIN’S!“

Der Henker drehte das Rad etwas zurück. Selbst diese leichte Entspannung tat Natie höllisch weh.

„Was bist du?“, fragte der Riese emotionslos.

„Ich bin es“, schluchzte Natalie rotzend. Tränen liefen über ihre Schläfen nach unten. Es fühlte sich beschämend an, als sie kitzelnd über die Ohren wanderten.

„Was?“, hakte der Henker nach.

Natalie hasste sich. Das war es nicht wert. Diese scheiß fünftausend Euro konnten ihr gestohlen bleiben. Hätte sie gewusst, dass es so echt sein würde, hätte sie sich nie darauf eingelassen. Sie hasste sich selbst und sie hasste diesen verfluchten Henker. Nie würde sie ihn ranlassen. Was hatte sie sich dabei gedacht. Als ob sie es so nötig hätte. Sollte er sich doch selber einen runterholen.

„WAS BIST DU?“, schrie sie der Henker an und griff wieder zum Rad.

„EINE HEXE! EINE HEXE!“, beeilte sich Natie zu sagen.

„ICH BIN EINE HEXE!“, rief sie. Dann spuckte sie den Henker an. Der weiße Speichel floss die lederne Maske hinunter.

Der Hüne sah die wartende Gesellschaft an.

„Euer Hoheit?“, fragte er schlicht.

Natalie schaute nach rechts. Die ganze Bagage tappte leise mit zwei Fingern auf die Handrücken, was dem euphorischen Applaus des vornehmen Adels entsprach.

Fuck you! Fuck you all!

Sie wartete gespannt. Was würde der verdammte Möchtegernkönig wohl sagen?

Doch der hochgewachsene König mit den eingefallenen Wangen blieb stumm. Er wedelte kurz jovial mit seinem Königszepter und nickte großzügig mit dem Kopf.

Wieder knarrte Holz. Natalie spürte, wie der Zug auf die Arme nachließ und die Lederbändchen nicht mehr so in die Armgelenke schnitten. Sie fragte sich, wie lange sie ihre Wunden verarzten musste und wie lange wohl die tiefen Striemen an ihren Handgelenken brauchen würden, bis sie gänzlich verschwunden sein werden. Sie kam zu dem Schluss, dass es den ganzen Spaß nicht wert gewesen war.

Immerhin war sie jetzt gute fünf Zentimeter größer, resümierte sie zynisch. Hochwasserhosen kamen doch wieder groß in Mode.

Allerdings würde sie das knarrende Geräusch von überbeanspruchtem Holz bis an ihr Lebensende hassen.

Sie wartete darauf, dass sie losgebunden wurde. Sie schaute zum Henker und beobachtet entsetzt, wie der Henker zu seiner schweren Axt griff. Sie spürte ein leise Panik in sich aufsteigen.

Was will der damit? Nicht!

Sie stellte sich bereits vor, wie der Henker ihr mit der scharfen Axt den Kopf abtrennen würde. Das Herz würde noch Blut aus ihrem Hals pumpen, während ihr Kopf über den Boden rollte, und vor den Füßen des Königs zum Liegen kam. Das Letzte, was sie in ihrem Leben sehen würde, wäre dieser Emporkömmling, wie er ihr von oben herab jovial zuwinkte.

Der Hüne schwang die Axt in einer flüssigen Bewegung an seinem Kopf vorbei, darauf bedacht, nicht die Decke zu streifen. Natalie sah das silberne Band des Schleifsteins an der Schneide. Irrationalerweise dachte sie daran, dass er wenigstens nicht zweimal würde zuschlagen müssen.

Dann sauste die Axt herab. Der Hieb jagte in das Holz der Streckbank und trennte die Lederbändchen über Natalies Händen. Geräuschvoll sog Natalie die Luft in die Lungen. Sie war fix und fertig. Dieses Ende war jetzt wirklich nicht nötig gewesen. Einen Moment lang dachte sie beschämt, sie hätte sich in ihr nicht vorhandenes Höschen gepisst. Doch dann fühlte sie, dass die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen der Angstschweiß war. Ihr ganzer Körper glänzte nass und die einsetzende Verdunstung ließ sie frösteln. Eine Gänsehaut der Todesangst spannte sich über ihren schmerzgeplagten Körper. Erst jetzt realisierte Natie, wie nahe sie sich dem Tod gefühlt hatte. Sie spürte, wie ihr Herz immer noch aufgeregt in ihrer Brust pochte. Ganz so, als ob ihr Herz noch nicht mitbekommen hätte, dass das Spiel vorbei war.

Natalie nahm ihre Hände runter und massierte ihre gepeinigten Gelenke. Sie schloss die Augen, um sich zu beruhigen.

Es ist vorbei. Job erledigt. Bald kannst du nach Hause.

Sie hätte nie gedacht, dass ihr Hobby sie einmal in eine solche Situation bringen würde. Sie war ein Fan vom ‚Live Action Role Playing’, kurz LARP. Je nach vorgegebenen Thema – oder eigenen Vorlieben – zogen sich Leute an wie im Mittelalter, wie im Amerikanischen Bürgerkrieg, oder wie in einer Science-Fiction-Serie. Das war mehr als nur Cosplay, wo sich einzelne Personen einfach nur wie eine Manga- oder Comicfigur anzogen. Beim LARP verabredeten sich viele Fans an historischen Plätzen oder auf Feldern, um ein historisches Ereignis oder ein selbstgeschriebenes Drehbuch nachzuspielen. Man war also nicht selbst das zu bestaunende Ereignis, sondern man war nur ein kleiner Teil davon.

Natalie liebte Fantasy. Ihr Lieblingscharakter war der einer Zauberin. Als sie bei der letzten Con angesprochen worden war, ob sie eine gefolterte Hexe spielen wollte, hatte sie nicht lange überlegen müssen. ‚Es muss aber authentisch sein’, hatte der Mann mehrfach betont, und Natie hatte eifrig genickt. Darüber, dass ihr dann auch noch so viel Geld angeboten worden war, hatte sie sich nur noch mehr gefreut.

Jetzt war es vorbei. Es war heftiger geworden, als sie sich vorgestellt hatte, aber egal. Natalie fühlte schon fast den zarten Schaum vom heißen Bad, in das sie steigen wird, sobald sie nach Hause kam. Sie würde ganz entspannt in einer wohligen Badewanne liegen; um sich herum wohlriechende Duftkerzen und ein Glas Rotwein in der Hand. Das war genau das, wonach sich ihr geschundener Körper gerade sehnte. Sie fing schon an, sich darauf zu freuen.

Doch dann sagte der König: „Bringt sie zum Scheiterhaufen.“

 

Infobox SDD

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Lesen Sie, wie Deutschland ohne Freiheit aussehen könnte.

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Spuren aus Stein - Bilder von Gizeh

Spuren aus Stein - Bilder von Gizeh

Dieser Bildband ist eine Ergänzung zum Datenblatt "Spuren aus Stein - die Geheimnisse" und meinem Roman "Thot - Spuren aus Stein".

Die Fotos sollen dem Betrachter einen Eindruck über die Monumente von Gizeh vermitteln. Die Bilder der gigantischen Felsblöcke sollen zeigen, welcher Aufwand betrieben wurde. Die Bilder der Verwitterungen sollen das unvorstellbare Alter bezeugen.

Hier sollen Sie die Pyramiden, den Sphinx und die Tempel nicht als Tourist betrachten. Schauen Sie genau hin! Die Fragen kommen von allein.