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A Ghost In The Dark
© Sven Schmidt, alle Rechte vorbehalten

Der geduldige Jäger hing in einer endlosen Dunkelheit. Die erdrückende Schwärze machte ihn unsichtbar. Um ihn herum erstreckte sich ein endloser Raum – durchflutet von Schwarz. Es schien, als ob der Weltraum verschwunden und nur noch ein tiefes Schwarz übriggeblieben war.
Ein riesiges Gebiet vom Licht verlassen.
Lichtjahre ohne Licht, ohne Jahre.
Nur Dunkelheit.

Es war ein existenzbedrohendes, alles verschlingendes Schwarz ohne Variationen und ohne Dunkelgrau. Ein Ort unendlicher und toter Traurigkeit. Verlassen vom lebendigen Licht weit entfernter Sterne. Quälende Einsamkeit, die den Tod ersehnte. Der Jäger befand sich am Rande einer gigantischen Dunkelwolke, die sich über Lichtjahre hinweg erstreckte.

Seit Tagen lag er in dieser ewigen Nacht still und heimlich auf der Lauer. Er saß in einer modifizierten Anvil Hornet Baujahr 2939 – auch Ghost genannt. Das Schiff war vollkommen mit diesem finsteren Ort verschmolzen. Die mattschwarze Oberfläche ihrer gedrungenen Flügel war eins mit ihrer Umgebung. Die scharfen Ecken und Kanten der schwalbenschwanzähnlichen Heckflügel waren hier nicht mehr existent. Der zwei Meter durchmessende, eckige Ring auf dem Dach verlor sich in diesem dunklen Nichts. Kein Lichtphoton spiegelte sich in den glasklaren Kanzelscheiben.

Als unsichtbarer schwarzer Schatten hing die Ghost in diesem unendlichen Schwarz und machte sie sich zu eigen.
Dieses kleine, nur 24 Meter lange Raumschiff war ein militärischer Spezialaufklärer und jeder in the ’verse wusste um seine außerordentlichen Fähigkeiten. Ihren hochsensiblen Späherinstrumenten entging nichts.
Für eine Ghost war sie alt. Das sagte alles über den Jäger aus, der hier seit nunmehr zwei Tagen ausharrte. Seine Ghost hing wie unsichtbar vor der gigantischen, schwarzen Wand der Dunkelwolke im unendlichen, weiten Raum.

Der geduldige Jäger war weit genug entfernt, damit seine Beute ihn nicht entdecken konnte. Und dennoch konnte der Jäger den Raum am Rand der Dunkelwolke gut beobachten. Das ausgefeilte Zielerfassungssystem der Ghost stammte aus den Laboren des UEE-Militärs und war allen anderen optischen Sensorsystemen überlegen.

Mit Hilfe des künstlichen Auges, das als ovaler, mattschwarzer Ball unter der Hornetnase hing, beobachtet der Jäger seit zwei Tagen den ausgeschlachteten Bengal-Carrier, der in rund eintausend Kilometer Entfernung als Warnboje seinen traurigen, letzten Dienst versah. Er war der unrühmliche Rest der USS Scott Childress VI, benannt nach dem Erfinder des Quantum Drives vor über 850 Jahren. Er war auch ein Überbleibsel einer gnadenlosen, aber historisch unwichtigen Schlacht mit einer Vanduulflotte, die hier vor siebzig Jahren gewütet hatte.

Der Jäger starrte in seinem abgedunkelten Cockpit auf die auf minimalste Helligkeit eingestellte Bildschirmanzeige. Sie hatte sich seit zwei Tagen nicht verändert. Der Jäger war dennoch hoch konzentriert. Das war das Ergebnis einer militärischen Ausbildung mit einem harten psychologischen Drill und jahrelangen Erfahrungen in Jagdmissionen. Eine unaufmerksame Sekunde konnte eine monatelang vorbereitete Mission zunichtemachen. Das war dem Jäger noch nie passiert. Und hier durfte es ihm nicht passieren. Diese Mission war die Wichtigste in seinem Leben. Die Beute war sehr scheu, sehr intelligent und hochgefährlich. Wochenlang hatte der Jäger diese Mission vorbereitet, nachdem er jahrelang ohne Erfolg gewesen war. Eine einzige Sekunde der Unachtsamkeit durfte es nicht geben.

Er schaute auf die Anzeige, atmete ein, zählte fünf Sekunden, atmete aus, zählte drei Sekunden. Immer auf das Hier und Jetzt fokussiert. Eine der vielen Atemübungen, die er gelernt hatte und welche die Konzentration hochhalten sollte.
Er spannte seine Oberschenkelmuskeln und löste die Kontraktion wieder, dann die Unterschenkelmuskeln. Danach kreiste er zweimal mit seinen Füßen und krallte seine Zehen zusammen. Das war eine Methode, um den Blutkreislauf in Schwung zu halten und um Müdigkeit und Krämpfen vorzubeugen. Das machte der Jäger mehrmals am Tag mit allen Muskeln und Körperteilen, sofern es ihm seine sitzende Haltung gestattete. Es war wichtig, sich irgendwie zu beschäftigen, wenn man einsam und allein im Nichts auf der Lauer lag.

Der Jäger starrte aus der Dunkelwolke hinaus. Dieser Teil der Galaxie war piratenverseuchtes Gebiet. Nach dieser unbedeutenden Schlacht hatte sich die UEE aus diesem Gebiet zurückgezogen. Denn es gab hier kein Sonnensystem, das besiedelt werden konnte. Und die wenigen Asteroiden in der Umgebung waren es nicht wert, ausgebeutet zu werden. Darüber hinaus war die Dunkelwolke, die sich mehrere Lichtjahre in alle Richtungen erstreckte, wie eine gigantische, schwarze Mauer, hinter der sich das Ende des Universums zu befinden schien. Kein Raumschiff könnte diese Mauer jemals überwinden.

Dieses Gebiet war in allen Sternkatalogen dunkelviolett markiert. Hier herrschten keine Gesetze und keine Regeln. Nicht einmal ein Credo oder ein Piratenehrenwort. Geschweige denn die UEE. Dieses Gebiet war so gefährlich, dass sich nicht einmal die kleinen Möchtegernpiraten – die sogenannten Piranhas – hierher wagten. In diesem Teich schwammen wirklich nur die großen und ganz großen Haie. Hier fraß jeder jeden.

Auf der abgedunkelten Anzeige blitzte es ganz kurz auf. Ein Adrenalinstoß durchzuckte den Körper des Jägers. Aus dem Blitz erschien die lange, bullige Silhouette einer Freelancer.

Endlich – der Köder.