A Ghost In The Dark
© Sven Schmidt, alle Rechte vorbehalten

Akio starb sofort. Er fiel nach hinten. In dem engen Zwischenraum zwischen der großen Kiste und der Schiffswand kam er zum Liegen. Kimo schaute ihn an und steckte seinen Strahler wieder ein.

Ein ganz leises, kurzes Brummen war zu hören. Noch einmal. Und noch ein drittes Mal. Es war das mobiGlas des Jägers. Der Pulsmesser hatte den ausbleibenden Puls registriert und schlug Alarm. Ein kleines Stapelverarbeitungsprogramm, das der Jäger erstellt hatte, wurde aktiviert.
Durch diese Batchdatei sendete das mobiGlas des toten Jägers zwei Impulse ab.

Der erste Impuls ging an den kleinen Sprengsatz in der Infiltrationsluke. Im Nachbarschiff gab es eine laute Explosion. Das graue Plastik der Luke wurde in Fetzen in den Weltraum gesaugt. Wertvoller Sauerstoff stob hinterher. Die künstliche Intelligenz der Connie wollte die Luke schließen, doch der Sicherungsmechanismus war deaktiviert worden. Die KI versuchte dennoch immer wieder, den Andockring zu verschließen und war so in einer Endlosschleife gefangen.

Die Sensoren der Freelancer maßen zur gleichen Zeit ebenfalls einen dramatischen Druckabfall in der Kabine. Die KI der MIS allerdings konnte die Notschließung ihrer eigenen Luke durchführen. Der Durchgang zur Connie wurde geschlossen.

Der CleaverReaper wusste sofort, dass sein Bruder dafür verantwortlich war. Mit einem kleinen Fluch stieg er über Akio drüber und zwängte sich nach vorne zum Bug. Er war klug genug, um zu wissen, dass Akio sich noch etwas anderes ausgedacht hatte. Akio hatte gewusst, dass er einen Raumanzug tragen würde. Kimo musste nur die Luft aus der Freelancer lassen, um einen Druckausgleich herzustellen. Dann konnte er die Schleuse öffnen und zur Connie überwechseln. Abzukoppeln und Wegzufliegen war dann keine große Sache mehr.

Aber die Luft abzusaugen und die Schleuse zu öffnen kostete Zeit. Und Kimo wusste genau, dass er diese Zeit nicht mehr hatte. Dennoch rannte er ins Cockpit der ’Lancer und hämmerte die nötigen Befehle in die Konsole.
Die Zeit rann ihm davon.

Mit dem zweiten Befehl des Batchprogramms sandte das mobiGlas das Bei-Fuß-Kommando für die Ghost aus. Die KI der modifizierten Hornet empfing das Signal und aktivierte seinerseits die Rückflugprogrammierung.
Die Korrekturdüsen stoppten das freie Treiben durch den Raum und richteten die Schiffsnase auf das rufende mobiGlas. Die Antriebsdüsen feuerten volle Fahrt.

Danach rief die Ghost-KI gemäß der von Akio vorgegebenen Kommandoverarbeitung ein Waffenprogramm auf. Während die Ghost sehr schnell an Fahrt aufnahm, spuckten die beiden Gallenson Mantis GT-220 Gatlingkanonen, die unter den kantigen Flügeln angeflanscht waren, flammend das Verderben auf die Freelancer. Die überschallschnellen Projektile schlugen erbarmungslos in ihre hintere Flanke. Die Panzerverkleidung spritzte in alle Richtungen davon.

Sekunden vergingen.

Kimo konnte das wilde Rattern an der Außenhülle hören. Er nahm es emotionslos hin. Völlig ruhig schaute er durch das Fenster hinaus nach vorne und wartete auf das Ende. Es gab nichts zu sehen. Nur die ewige Schwärze der Dunkelheit.
Die Schiffe vergingen in einer gigantischen Feuerwolke.