Die Pyramiden von Gizeh sind Spuren aus Stein

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Die Lösungen zu den Rätseln der ägyptischen Pyramiden gibt es kostenlos zum Download:

Thot - Spuren aus Stein
Leseprobe Teil 1
© Sven Schmidt, alle Rechte vorbehalten

Prolog

Seit Jahrtausenden stehen sie da: Gigantische Bauwerke, die bis zu einhundertfünfzig Meter in den Wüstenhimmel ragen.
Sie existieren seit Menschengedenken: Aus Millionen von Steinblöcken mit bis zu einhundert Tonnen Gewicht — präzise zusammengefügt.
Jedes für sich ein Meisterwerk der Baukunst: exakt ausgerichtet nach den vier Himmelsrichtungen.

Sind sie.

Wir haben uns an ihren monumentalen Anblick gewöhnt. Und uns damit abgefunden. Wir nehmen es einfach hin, dass sie uns Rätsel aufgeben — allein durch ihre Existenz. Wir leben an ihnen vorbei und überlassen es Gelehrten, aus ihnen schlau zu werden. In der Hoffnung, dass sie uns eines Tages sagen, wer die Pyramiden erbaute, wie — und warum.

Sie gaben uns Antworten …

Die Pyramiden von Gizeh sollen von Pharaonen der vierten Dynastie erbaut worden sein. Von Menkaure, Chafra und Chufu. Die Pyramiden bekamen die griechischen Namen dieser Könige: Mykerinos, Chephren und Cheops.
Bereits 1837 entdeckte Howard Vyse in der großen Pyramide Hieroglyphenzeichen, ›heilige Einkerbungen‹, die Cheops als Erbauer identifizieren sollen. Basierend auf diesem Fund wurde die Pyramide zugeordnet. Und auf dieser Basis wurden die weiteren Theorien, Vermutungen und Entdeckungen aufgebaut.
Denn diese ›Steinmetzmarkierungen‹ sind die einzigen Beweise, die König Cheops zum wahren Erbauer der Pyramide machen.
Und sie sind umstritten. Mancher Gelehrte ist der Meinung, dass Vyse unter dem Druck, Ergebnisse bei der Erforschung der Pyramide zu erzielen, diese Hieroglyphen selbst anbringen ließ.

Und ohne schlüssigen Beweis ist die Frage wieder offen, wer die Pyramiden erbauen ließ.

Auch das ›Wie‹ wird heftig diskutiert. Denn selbst mit unseren heutigen technischen Möglichkeiten wäre die Erbauung eine planerische, organisatorische und logistische Mammutaufgabe. Man bastelt an Theorien mit Rampen, Seilzügen und Heerscharen von Arbeitern. Es wird versucht, mit diesen Vermutungen die Pyramiden zumindest in der Theorie neu zu erschaffen.
Ohne den kleinsten Hinweis. Denn es wurden keine Schriften oder Berichte gefunden, die einen Fingerzeig darüber enthalten, wie diese Gebilde entstanden sind.

Die eigentlich wichtigste Frage ist das ›Warum‹. Da man sich darauf einigte, dass Cheops der Erbauer war, kam man zu dem Schluss, dass die Pyramiden Gräber sind. Pharaonen galten als Götter. Und es ist nur logisch, dass man Gräber bauen musste, die ihrem Ego entsprachen. Dass man nie eine Mumie in den Pyramiden gefunden hat, störte nur wenige. Diese fehlenden Beweise wurden dadurch erklärt, dass sie schon längst von Grabräubern aus den Kammern geplündert wurden.

Sie gaben uns also Antworten …
… die uns aber nicht zufrieden stellen. Trotz ihrer Beweisführungen und eigentlich schlüssigen Theorien haben wir das Gefühl, dass das alles nicht stimmt. Fühlen wir, dass da mehr dahinter steckt — viel mehr. Die Faszination der Pyramiden begleitet die Menschengeschlechter seit Generationen. Wurde uns in die Wiege gelegt. Jeder, der von dem Vorhandensein dieser gigantischen Bauwerke erfährt, spürt eine innere Unruhe; ahnt, dass sie uns etwas erzählen wollen.

Trotz jahrzehntelanger Forschungen und Ausgrabungen, die uns viel über die Pharaonen und der fünftausend Jahre alten ägyptischen Geschichte offenbarten, wissen wir doch eigentlich überhaupt nichts über die Pyramiden.
Weder über die Erbauer, noch über ihre Beweggründe.
Vielleicht, weil der Blick fünftausend Jahre in die Vergangenheit viel zu kurzsichtig ist.
Vielleicht, weil die Pyramiden die Gründerjahre der ersten Dynastie 3.000 v. Chr. auch schon erlebten.
Vielleicht, weil uns eine mögliche Wahrheit zu unwahrscheinlich erscheint. Zu unbequem.
Die Pyramiden könnten uns ja daran erinnern, dass unsere Kultur nicht einzigartig ist, dass wir nicht die erste fortschrittliche Zivilisation auf dieser Welt sind.
Die Pyramiden könnten uns sagen, dass wir ganz und gar nicht so besonders sind, wie wir es gerne hätten.
Darum IGNORIEREN wir sie.
Doch vielleicht haben die Erbauer sie ja auch erschaffen, gerade WEIL wir etwas ganz Besonderes sind!


Thot - Spuren aus Stein
Leseprobe Teil 2
© Sven Schmidt, alle Rechte vorbehalten

»Wir müssen raus hier.« Ihre helle Stimme wurde zigfach von den großen Wänden zurückgeworfen. Es klang wie in einer riesigen Kathedrale. Dabei war dieser Raum nur knapp zehneinhalb Meter lang und nur halb so breit. Lichtschwache Neonröhren an der Wand strahlten eine Decke an, die fünf Meter achtzig über ihnen von riesigen Steinquadern getragen wurde. Jedoch schien der dunkle Rosensteingranit das bisschen Licht wie ein matter Lappen aufzusaugen. Die ganze Königskammer wurde wie vom faden Schein eines Vollmonds beleuchtet.
Vanessa fröstelte leicht in diesem schwül-warmen Raum. Sie hatte Angst. Er stand weiterhin unbeteiligt vor dem großen Granitsarkophag. Den Kopf gesenkt. Die Augen geschlossen. Keinerlei Reaktion. Als ob er sie in diesem uralten Raum nicht gehört hätte. Dabei waren sie allein, und es herrschte eine Grabesstille. Seine Finger strichen ehrfürchtig über den lauwarmen Stein, der von den Ausdünstungen der Pyramidenbesucher förmlich aufgequollen war.
»Spürst du denn nicht die Zeit?«
Unter seinen geschlossenen Lidern sah Vanessa aufgeregt seine Pupillen wandern. So kannte sie ihren Freund noch gar nicht. Seine Verzückung ließ sie schaudern.
»Wir sind jetzt seit mindestens einer halben Stunde alleine hier drin. Sie werden uns suchen kommen.«
Heinz Fröhlich ignorierte sie. Er atmete die feuchte, abgestandene Luft tief ein.
Er dachte an Jesus. Hatte er damals die Große Pyramide gesehen, in der er heute stand? Er soll ja auch einmal in Ägypten gewesen sein. Hat ihm Gott vielleicht etwas über seine Bedeutung erzählt? Heinz überlegte weiter. Wer konnte vor Jesus hier gewesen sein? Moses? Es fiel ihm mit Ausnahme der Pharaonen sonst niemand ein, der vor der modernen Zeitrechnung diese Monumente besucht haben könnte. Zu alt waren die Pyramiden. Der einzige greifbare Zeitzeuge war diese Granitwanne. Sie musste hierher gestellt worden sein, als noch die Sonne in diese Kammer gescheint hatte und die gewaltige Pyramide um sie herum gebaut worden war. Denn die Wanne passte nicht durch den kleinen Eingang, der in diese Kammer führte. Darum konnte sie nicht später hierhergebracht worden sein.
Vanessa zupfte an seinem schwarzen T-Shirt mit Nofretetes goldenem Antlitz darauf. »Komm schon. Lass uns gehen.« Sie dachte an tödliche Fallen der Pharaonen und an geheime Flüche der Hohepriester. Ihr flogen Szenen aus dem Film ›Die Mumie‹ durch den Kopf. Menschen fressende Käfer. War da nicht ein Geräusch hinter der Mauer?
Heinz schaute sie verständnislos an. »Verstehst du nicht? Hier drin ist die Zeit stehen geblieben. Vor Tausenden von Jahren.« Er breitete seine Arme in einer weit einladenden Geste aus. »Wieviele Kulturen hat dieses unverwüstliche Weltwunder aufblühen und untergehen sehen?« Er drehte sich um seine eigene Achse. »Und es ist immer noch hier. Uralt und unverwüstlich. Ist das nicht unglaublich? Dass man damals etwas bauen konnte, das für die Ewigkeit gedacht war?« Er lachte sie an. Er war glücklich. Ein Traum ging für ihn in Erfüllung.
Doch Vanessa dachte nur: Jetzt ist es passiert. Er hat den Verstand verloren. »Ja, der Raum ist alt. Und mit einer neuen Tapete und einem Fernseher könnte es richtig heimisch sein.«
Heinz überhörte den Spott in ihrer Stimme. Er fühlte sich innerhalb dieser engen und düsteren Mauern befreit. »Vergiss den Fernseher. Schließ deine Augen und lass die Geschichte vor deinen Augen passieren. Die Pyramiden waren schon alt, bevor die moderne Geschichtsschreibung begann.« Und dann flüsternd. »Lass dir von dem Raum erzählen, wie die Geschichte wirklich war.«
Aber Vanessa wollte das gar nicht hören. Sie ging zum Ausgang der Kammer, der gerade mal einen Meter hoch war. Sie wollte rausgehen und draußen auf ihn warten. Doch als sie sich bückte, um den für sie zu engen Raum zu verlassen, fing der Boden plötzlich an, zu zittern. Erst ganz schwach. Doch dann mit einem kräftigen Ruck, der von einem tiefen, ins Mark treibende Grollen begleitet wurde. Zuerst ihre Hollywoodängste, und jetzt das. Für Vanessa zu viel. Sie begann, hysterisch zu kreischen. Eine Schrecksekunde lang war Heinz völlig gelähmt. Er konnte es nicht fassen. Das war unmöglich. Doch dann verarbeitete sein Gehirn die Informationen, die seine Sinne transportierten. Er rief: »RAUS HIER! EIN ERDBEBEN!« Und sie liefen los. Zuerst krochen sie durch den niedrigen Eingang und der Verschlusssteinkammer in die Große Galerie. Dort konnten sie sich gleich wieder aufrichten. Dieser Gang war über acht Meter hoch und maß am Boden etwa zwei Meter in der Breite. Das Ungewöhnliche an ihm war, dass sich die Wände zur Decke hin in sieben Stufen verjüngten. Im absteigenden Boden befand sich dann noch ein kleiner Graben, der etwa genauso breit wie die Decke war. Holzpaletten im Graben erleichterten den Auf- und Abstieg für die Touristen.
Ein bestialischer Lärm empfing sie in diesem Gang. Das Grummeln und Ächzen der uralten Pyramide wurde von den Wänden tausendfach zurückgeworfen. Heinz hörte nicht, wie Vanessa weinte. Sie bewegte ihre Lippen, doch er verstand kein Wort. Er drückte sie den Aufweg hinunter und lief ihr hinterher. Krampfhaft hielt er sich am Geländer fest, weil seine rutschigen Sandalen keinen rechten Halt fanden. Er starrte auf den Boden, auf seine Füße. Ab und zu blickte er kurz auf. Ein Tannenbaum-Raum!, schoss es Heinz durch den Kopf. Dieser Raum sieht doch glatt aus wie ein unförmiger Tannenbaum! Und hatte den Gedanken auch gleich wieder vergessen. Der infernalische Krach verursachte ihm jetzt Kopfschmerzen. Sie waren jetzt am unteren Teil des 46-Meter-langen Korridors angekommen. Der waagrechte Gang, der zur Königinnenkammer führte, war durch eine alte Gittertür versperrt. Doch sie wollten jetzt ohnehin raus hier. Also ging es weiter durch den sogenannten aufsteigenden Gang, den sie jetzt hinunterhetzten. Auch er war nur knapp meterhoch. Vanessa kroch vorneweg. Schürfte sich ihre sonnengebräunte Haut an dem viel zu engen Gang ab. Heinz schubste sie panisch von hinten und spornte sie zur Eile an. Sie mussten raus hier. Jetzt passierte es doch. Diese uralte Pyramide stürzte ein. Und sie mittendrin. Was für ein Abgang.
Doch dann hörte der Lärm plötzlich auf. — Und es wurde pechschwarz in der Pyramide.

Vanessa hatte aufgehört zu schreien. Sie brauchte die Luft für ihre Angst. Heinz hörte, wie sie ungehemmt stakkatoartig schluchzte. Er versuchte, beruhigend auf sie einzureden. Allerding blieb es nur bei einem Versuch. In dieser Schwärze und diesem wahnsinnig engen Gang drückte plötzlich eine klaustrophobische Angst seine Kehle zu. Für eine Sekunde wusste er nicht mehr, wo er sich befand. Er tastete nach seiner Bauchtasche und holte eine kleine Diodenlampe heraus. Er knipste sie an und sah Vanessas fahlgraues Gesicht. Scharfe Schatten verwandelten sie in eine Fratze. »Los, weiter!« spornte er sie an. Und überraschenderweise folgte sie beim ersten Mal.
Das Beben war vorbei. Vanessa und Heinz merkten es nicht. Die Panik ihrer wild wuchernden Fantasie wuchs weiter, mit jedem Aufschrei, mit jeder Schürfwunde, mit jeder Beule — viel zu eng der Gang. Und noch immer war der Ausgang so weit weg.
Dann endlich erreichten sie die Dreiwegekreuzung. Dieser unförmige, höhlenartige Raum war ausgehauen worden, um die Blockierung der Granitverschlusssteine im unteren ansteigenden Gang zu umgehen. Ursprünglich konnte man vom absteigenden Gang, der vom Haupteingang zur Unvollendeten Kammer führte, nicht hinauf zur Großen Galerie.
Vanessa und Heinz wählten aber nicht den absteigenden Gang, da der Haupteingang verschlossen und der Weg abwärts ebenfalls durch ein Gattertor versperrt war. Sie wählten den dritten Weg: den Grabräuberstollen, der sie nach draußen führen sollte. Er war grob zwei Meter hoch aus der Pyramide geschlagen worden und gehörte nicht zum rätselhaften Gangsystem des mysteriösen Monuments.
Sie keuchten und heulten den Gang entlang. Das letzte Stück. Wenige Meter. Da sah er es im grellen Licht des Tages. Erkannte die Gefahr. War wieder klar im Kopf. Vanessa war fast draußen. Blind vor Furcht. Heinz hielt sie jedoch im letzten Moment zurück. Draußen flogen kleine und große Steinbrocken am Eingang vorbei. Staubwolken drangen in den Gang und reizten sie zum Husten. Vanessa zappelte und versuchte sich loszureißen. Er hielt sie nur noch fester. Dann ein dumpfes Rumpeln. Es kam von oben. Wurde lauter und verhieß nichts Gutes. Vanessa hielt inne. Panische Neugier ließ sie verstummen. Sie blickten beide in das blendende Licht, als von oben krachend und lärmend ein riesiger Schatten an der Tür vorbeifiel. Ein gigantischer Steinblock. Heinz dachte nur: Sie stürzt tatsächlich ein.


Thot - Spuren aus Stein
Leseprobe Teil 3
© Sven Schmidt, alle Rechte vorbehalten

Die letzte Dreiviertelstunde vor dem Abflug saßen sie im Flughafenrestaurant. Jeder ein Eis. Er: Waldmeister mit Pistazien. Sie: Schokolade und eine Extraportion Sahne.

Auch dort sah er sie. Teure Anzüge, teure Schuhe, teure Armbanduhren, teure Frisuren. Die zwei Männer nippten indes nur an ihrem billigen Wasser. Der abweisende Gesichtsausdruck der Bedienung war nicht schwer zu deuten.
Mit den beiden Verfolgern im Blickfeld hatte es Professor Waldmann schwer, sich auf die Unterhaltung mit Sarah Kroeger zu konzentrieren. Ihm war es peinlich, ihre Dankbarkeit entgegenzunehmen, dass er ihr diese große Chance ermöglichte und dass er sie hierher gefahren hatte. Er hatte es gerne getan. Wirklich. Er versicherte ihr, dass er sie gerne als seine Schülerin gehabt hatte. Sie war sehr talentiert, wissbegierig und lernfähig. Sie errötete leicht. Hatte leise gelächelt und den Kopf dezent gesenkt. Wie bei einem ersten Date.
Professor Waldmann tat sich schwer, ihr gegenüber nur väterliche Gefühle zu haben. Sie war mit ihren 23 Jahre so taff und selbstbewusst. Demgegenüber konnte sie Lob immer noch nicht ertragen.
Zwanzig Minuten vor dem Abflug gingen sie zum Gate. Verfolgt von ihren beiden Schatten. Diese machten sich nicht die Mühe, unerkannt zu bleiben. Professor Waldmann hoffte nur, dass Sarah nichts merken würde.
Und dann kam der Moment, auf den er gewartet hatte. Gehofft hatte. Denn sie durfte es nicht wissen … noch nicht.
Sie ging auf die Toilette und überließ ihm ihren schwarzen Rucksack mit einem Peace-Button und einem kleinen Plüschteddy am Reißverschluss. Ihre alte, braune Umhängetasche aus Leder nahm sie mit. In ihr bewahrte sie ihr kostbarstes Gut. Ein Notebook, das sie vor ihrem Studium von ihren Eltern geschenkt bekommen hatte. Ihre ganzen Arbeiten und Stoffsammlungen waren auf ihm gespeichert. Sarah gab ihn niemals aus der Hand.
Professor Waldmann holte den braunen Umschlag hervor, den er sich hinten in den Hosenbund seiner hellgelben Cordhose gesteckt hatte. Ein dunkles Schweißband hat sich dort gebildet, wo der Gürtel das Couvert gegen seinen Rücken gepresst hatte. Sein gelbes Jackett hatte es bisher vor unliebsamen Blicken geschützt. Er drehte sich so, dass die beiden Verfolger seine Aktion nicht erkennen konnten. Professor Waldmann bückte sich und es sollte so aussehen – hoffte er –, dass er sich die Schuhe band.

»So, da wären wir nun.« Sie standen inmitten der anderen Reisenden vor den Schleusen zum Transferbereich. Sarah lächelte ihren Professor an, der sie die letzten Jahre so hart hatte arbeiten lassen. Es war nicht leicht gewesen. Doch sie war ihm dankbar dafür. Sie trug blaue Cargohosen und ein kurzärmliges, hellblaues Baumwollhemd. Darüber eine braune Safarijacke mit vielen Taschen. Außerdem hatte sie einen weißen Baumwollschal mit geknüpften Fransen um den Hals gewickelt. Ein Souvenir ihres Ägyptenurlaubs 1999, den ihr ihre Eltern zum bestandenen Abitur geschenkt hatten. Eine Rundreise quer durch das Land. Ein großartiges Erlebnis.
Den Schal hatte sie damals in Sharm-El-Sheik bei einem Straßenhändler gekauft. Natürlich nicht, ohne vorher kräftig zu feilschen. Denn das, so hatte ihr Reiseleiter erzählt, wurde von den Händlern erwartet. Und es war schon förmlich eine Beleidigung, wenn der Tourist den erstgenannten Preis bezahlte. In Deutschland kannte man das ja so nicht. Dort wiederum gehörte es eben zum Touristengeschäft dazu. Damals war sie ein klein wenig stolz, den Preis so weit gedrückt zu haben. Als sie später allerdings mehr Erfahrung mit den Straßenhändlern hatte, wusste sie, dass der Preis immer noch zu hoch gewesen war. Andererseits fuhr man ja nicht nach Ägypten, um Erbsen zu zählen, sondern um einen wundervollen Urlaub zu erleben.
Und später dann wurde sie beim Handeln auch immer besser.
Die Mentalität der Ägypter unterschied sich nun mal von der in der westlichen Welt. Oder wie hatte es ihr Reiseführer damals auf einen einfachen Nenner gebracht: ›In Ägypten ist eben alles anders‹. Thot, der Gott der Weisheit, muss sein Lehrer gewesen sein.

»Ja, da wären wir.« Professor Waldmann konnte sein Zittern nicht verbergen. Er wusste nicht, ob seine Verfolger die geheime Aktion bemerkt hatten. Stark anzunehmen. Er ist eben kein bezahlter Agent des deutschen Bundesnachrichtendienstes, sondern nur ein einfacher Dozent für ägyptische Geschichte an der Universität in Göttingen.
»Also …«, fing Sarah an. Da war er wieder, der verschämte Moment des Abschieds. Der Professor versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Seine Blicke wanderten zur Seite.
Bunt gekleidete Touristen versprühten lässige Urlaubsstimmung, und ernst dreinschauende Geschäftsleute zogen ihre Flugkarten durch die Lesegeräte, um in den Transferbereich zu gelangen. Ein Pickelgesicht mit Hornbrille, der von seinen Eltern verabschiedet wurde. Sein erster Urlaub, ein letztes Briefing. Ein Liebespaar Hand in Hand, ein schreiendes Kleinkind. Dahinter zwei große Männer in feinen Anzügen. Hellbraun und dunkelblau. Sie schauten zu ihnen her. Allerdings nicht gelangweilt auf den Flug wartend, sondern interessiert und konzentriert.
Nachdem der Professor nichts erwiderte, sagte Sarah nur: »Danke.«
Er spürte, wie sie langsam unruhig wurde. Hatte er sich verraten? Er lauschte der weiblichen Bandansage über Lautsprecher, die empfahl, das eigene Gepäck nicht aus den Augen zu lassen.
Der Professor konnte sich nun doch nicht zurückhalten. Egal, was seine ehemalige Schülerin davon halten mochte. Er nahm sie in seine Arme. Zum Abschied. Das golden-metallene Gestell seiner Brille drückte gegen ihre Schläfe. »Pass auf dich auf.« Und als er sie wieder losließ, waren seine Augen feucht geworden. Sie lächelte verschämt. Kein echtes Lächeln. Sie wusste wohl nicht, wie sie lächeln sollte, weil sie nicht wusste, wie sie fühlen sollte. Ihr Blick verriet Konfusion. Wartete auf etwas, was sie doch nicht hören wollte.
Der Professor übersah es.
Wieder der Blick nach rechts. Diesmal schaute sie hinterher. Hatte sie die Männer gesehen?
»Grüß Tom von mir. Ich bin sicher, ihr werdet gut miteinander auskommen.« Lass es nur ein ganz normaler Abschied sein. Bitte beschwör keine Geister. Sarah war nur ganz kurz verunsichert. Ihr Lächeln wirkte wieder fest. Doch er glaubte, für einen Moment in ihren smaragdgrünen Augen ein panisches Erkennen zu sehen.
»Na klar. Sie kennen mich doch. Mich muss man lieben.«
Er lachte. Aufrichtig. Das alte Gesicht sah wieder jünger aus. »Du solltest jetzt gehen.« Ihm fiel einfach nichts Vernünftiges mehr ein, was er sagen konnte. — Sei vorsichtig! Dreh dich um, wenn du alleine bist. Renn, wenn du Schatten siehst! — Ja, davon jede Menge. Jedoch kein Ich werde dich vermissen, und erst recht kein Auf Wiedersehen.
Sarah zückte ihre Flugkarte aus ihrer braunen Safarijacke. Sie reihte sich in die kleine Schlange ein und ging durch die Absperrung. Sie blickte zurück. Lächelte noch. Winkte.


Thot - Spuren aus Stein
Leseprobe Teil 4
© Sven Schmidt, alle Rechte vorbehalten

»Aber das kann doch nicht sein.« Unverständliches Stimmengesäusel aus dem Handy. »Da ist nichts.« Das Stimmengesäusel wurde lauter, energischer. »Dann müssen Sie mir wenigstens sagen, woher Sie diese Informationen haben.« Tom Tustra hatte genug von diesem Auftrag. Seit zwei Wochen buddelte sein Team ein Loch in den Berg. Ohne Hinweise, ohne Spuren, ohne Erklärung. Seinem Gesprächspartner am anderen Ende ging hörbar der Hut hoch.
»Ich weiß, dass mich das eigentlich nichts angeht. Ich bin ja auch nur der Ausgrabungsleiter. Allerdings kostet das hier Zeit, Geld und Arbeitskräfte. Diese Investitionen wären sicherlich besser angebracht, wenn man nach neuen Pharaonengräbern suchen würde. Vielleicht auch mit Hilfe von modernen Satelliten. Und nicht einfach nur unter einem altbekannten, totgeforschten Grab buddelt.« Er schaute in das dunkle Loch vor ihm, das 40° abwärts führte, und wischte sich mit der Linken die Schweißperlen von der Stirn. Tom Tustra befand sich in einem kleinen Felsenkessel im Tal der Könige, dessen ockerbraune Wände senkrecht dreißig Meter in die Höhe wuchsen. Hier war er zwar ständig im Schatten, jedoch wurde die Hitze aus dem Tal hereingedrückt, das den ganzen Tag unter der sengenden Sonne lag. Ebenso wie die Zelte der Forscher, die am Rande des Weges, der zu den anderen Pharaonengräbern führte, aufgebaut waren.
Aus der Tiefe hörte er die klopfenden und schabenden Geräusche der einheimischen Arbeiter. Sein Chef am Telefon ließ sich nicht überzeugen.
»Okay. Ja, ich wiederhole mich.« Er machte einem Arbeiter Platz, der zwei volle Eimer Erde hinaustrug. Seine weiße Galabija, ein heimisches Gewand mit weiten Ärmeln und einem weiten Rock, war total verstaubt. »Meinetwegen. Ich mache weiter, solange Sie es sagen.« Tom blickte entnervt die Stahltreppe hinauf, über die eine Ameisenstraße voller Touristen führte, die in der oberen Felsspalte das Grab Thutmosis III besuchen wollten. Ein abschüssiger Korridor führte dort oben in die Tiefe zu einer antiken Treppe mit breiten Nischen rechts und links. Die stehende Hitze machte Tom nichts aus. Aber dass er den ganzen Tag fotografiert wurde und neugierige Fragen in allerlei Sprachen beantworten sollte, zehrte mehr an seinen Nerven, als er sich vorgestellt hatte. Anfangs fand er die Idee noch interessant, so ›publikumsnah‹ zu arbeiten, aber mittlerweile fühlte er sich wie ein Schimpanse in einem Zoo. Fehlte nur noch, dass ihm eine Banane vor die Füße fiel.
»Können Sie mir dann vielleicht sagen, wie weit ich noch graben soll?«, blaffte er. »Wir sind doch bereits unter der Kammer mit dem Sarkophag.«
Dann schaute er verärgert sein Handy an. »Aufgelegt. Kann der nicht wenigstens einmal ›Auf Wiederhören‹ sagen?«
Die schwarzhaarige, hochgewachsene Frau, die heute schmutzigen Jeanslook trug, schoss ein paar Fotos von einigen amerikanischen Touristen, die sie ihrerseits von oben fotografierten. Dadurch versperrten sie somit die Treppe für die anderen Grabbesucher. Charleen würde die Bilder nachher wieder von ihrer Speicherkarte löschen. Es war ihre kleine Rache dafür, dass sie andauernd wie eine Zirkusattraktion angestarrt wurde. »Nichts?«, fragte sie wie unbeteiligt. »Worauf du einen lassen kannst.« Tom steckte das Handy wieder an seinen Gürtel, neben das Handfunkgerät. »Jedes Mal das Gleiche: Machen Sie weiter und fragen Sie nicht.« Die gut aussehende Frau ließ ihren Finger auf dem Auslöseknopf und schoss einige Serienbilder. Die Kamera hörte erst auf zu klicken, als sie mit dem Abspeichern nicht mehr hinterher kam. »Die wissen was. Jede Wette.« Tom sparte sich die Antwort. Die wissen was. Natürlich. Weshalb sonst sollten sie so viel Geld in ein nutzloses Loch blasen? Die Frage ist nur: WAS? Unterhalb eines bekannten Königsgrabes war ein Fund nicht zu erwarten. Das wusste er. Das wusste auch sein Team. Aber er durfte so etwas nicht laut sagen. Auch wenn ihm klar war, dass sie darauf warteten. Er durfte nicht den Fehler machen und in das Reich der Spekulationen und Fantasien driften. Er war Archäologe. Ein Profi. Zumindest redete er sich das ein. Denn hier bekam er Zweifel.
»Ach übrigens … zur Erinnerung. Heute kommt die Neue.« Charleen beobachtete sein Minenspiel. Er rollte mit den Augen. »Hol du sie ab. Ich fühl mich dazu jetzt nicht mehr in der Lage.« Sie setzte ihr Jawoll-Chef-Lächeln auf und schaute auf die Uhr. »Das heißt, ich fahr in einer halben Stunde los.«
Entfernte Schreie aus dem Tunnel. »Was ist denn jetzt wieder?« Tom ging näher an den Eingang und lauschte in den von etlichen Stützbalken getragenen Gang hinein. Die Schreie kamen näher. Und jetzt sah Tom auch die ersten Taschenlampen auftauchen, die sich dem Ausgang näherten. »Los, ruf Dingo! Er soll den Erste-Hilfe-Kasten mitbringen.« Charleen holte ihr kleines Funkgerät aus ihrer Brusttasche. Während sie per Funk mit dem alten Indianer sprach, hörte Tom erste verständliche Wortfetzen auf Arabisch. »Loch … Boden … Decke …«. Er schrie in der gleichen Sprache zurück »Was ist los?« Die Antwort verstand er aber nicht, weil Charleen jetzt laut in Richtung der dunkelgrauen Zelte »DU SOLLST HERKOMMEN!« rief. In diesem kleinen Felsenkessel verliefen sich die Worte unendliche Male und verliehen dem Ort plötzlich etwas Unheimliches.
Dann kam der erste Arbeiter schwer schnaufend bei ihm an. »Hat sich jemand verletzt?« Tom packte den älteren Mann an den Schultern und schaute ihn streng an. Autorität zeigen. Für sie war er zu jung für diesen Job.
»Nicht verletzt. Loch.« Er war außer Atem. Tom ließ ihn los. Die Ausgräber kamen aufgeregt ans Sonnenlicht. Tom ging auf den Schichtführer zu. Ein Mann Anfang Dreißig, der nicht zum ersten Mal für das Institut arbeitete. »Was ist los, Massuf?« Dessen mahagonibraunen Augen zeigten Überraschung. Und ein bisschen Angst. Etwas hatte die Männer dort drinnen ziemlich erschreckt.
»Ein Loch. Ein Loch im Boden.« Und als ob er es sich noch einmal überlegen müsste, ob es tatsächlich real war … »Der Boden ist unter uns weggebrochen und jetzt ist da ein tiefes Loch.«



Infobox

Nibiru

Nibiru ist der Name einer sumerischen und babylonischen Gottheit.

Auch bezeichnet er einen mythologischen sumerischen Himmelskörper.

Viele halten ihn für einen noch unentdeckten Planeten in unserem Sonnensystem.

Möglicher Alias ist Nemesis. Dies ist eine wissenschaftliche Bezeichnung für einen hypothetischen Begleiter unserer Sonne.

Schwabendoomsday

SchwabendoomsdaySchwabendoomsday ist der Tag, an dem Stuttgart zerstört wird, um aus Deutschland wieder eine Monarchie zu machen.

Schwabendoomsday – Teil 1: Terrorziel Stuttgart ist ein reinrassiger Katastrophenthriller. Der Anschlag auf das Schwäbische Herz setzt eine Kausalkette in Gang, an deren Ende sich Maximilian die Kaiserkrone aufsetzen kann.

Schwabendoomsday – Teil 2: Terrorziel Freiheit ist ein utopischer Staatsroman. Maximilian ist Kaiser und herrscht mit eiserner Faust. Wie reagieren die Menschen in einer neuen Monarchie? Wie entwickelt sich eine Gesellschaft ohne Freiheit? Kann es eine Rückkehr zur Demokratie geben?

Lesen Sie, wie Deutschland ohne Freiheit aussehen könnte.

Lilith - Baum des Lebens

Lilith - Baum des LebensDieser Roman beschreibt die uralte Schöpfungsgeschichte um Adam und Eva.
Neu und modern erzählt - aus der Sicht von Lilith.

Lilith ist ein junges Mädchen, das zusammen mit ihren Freunden Adamah und Chawah im Garten von Eden lebt. Nach dem Essen der Frucht der Erkenntnis erfährt sie, dass die Menschen nur eine Züchtung der Neteru sind. Nur dazu erschaffen, um den Igigu als Sklaven zu dienen.

Lilith nimmt den Kampf um die Freiheit auf und wird so zur ersten großen Heldin der Menschheitsgeschichte.

Thot - Spuren aus Stein

Thot - Spuren aus SteinIn ferner Vergangenheit:
Nibiru, die Heimatwelt der Götter, wurde von einer gewaltigen Katastrophe bedroht. Darum musste die Zivilisation der Neteru fliehen.

Sie hinterließen uns ihre Spuren aus Stein in der Hoffnung, dass wir uns an sie erinnern...

Gegenwart:
Ein Forscherteam findet nahe Luxor erste Hinweise. Sie folgen den uralten Spuren der Himmelmenschen und erfahren, was seit Jahrtausenden vergessen war.

Spuren aus Stein - Bilder von Gizeh

Spuren aus Stein - Bilder von Gizeh

Dieser Bildband ist eine Ergänzung zum Datenblatt "Spuren aus Stein - die Geheimnisse" und meinem Roman "Thot - Spuren aus Stein".

Die Fotos sollen dem Betrachter einen Eindruck über die Monumente von Gizeh vermitteln. Die Bilder der gigantischen Felsblöcke sollen zeigen, welcher Aufwand betrieben wurde. Die Bilder der Verwitterungen sollen das unvorstellbare Alter bezeugen.

Hier sollen Sie die Pyramiden, den Sphinx und die Tempel nicht als Tourist betrachten. Schauen Sie genau hin! Die Fragen kommen von allein.